Das ist wirklich was ganz Feines, für mich eines der größten Highlights dieser Reihe: Franz Lehrndorfer, 1979, in Höchstform, spielt diverse Orgelmusik von ca. 1500-1800 aus dem süddeutsch-österreichischen Raum an den 3 Orgeln der Basilika Ottobeuren ! Ca. um 1980 bekam ich dieses Vinyl-Doppelalbum und habe es unzählige Male gehört, so oft, dass ich es mir sogar irgendwann nochmal bestellt habe, weil die LPs schon so abgespielt waren. Und wie glücklich ich war, dass ich dann irgendwann um 2010 die meisten (wenn auch nicht alle) dieser Aufnahmen auf CD entdeckt hatte ! Das Album enthält so viele (für mein Empfinden) echt geniale Aufnahmen, Top-Empfehlung für alle Fans des unvergesslichen Franz Lehrndorfer und sonstige Freunde älterer Orgel-Aufnahmen ! *****
Das Thema der Muffat-Passacaglia mit einer Zungenstimme allein? 🧐 So hab´ ich dieses Stück noch nie gehört. Wenn ich bedenke, wie sparsam du immer mit Zungenstimmen umgehst, wundert mich jetzt fast, dass dir diese Aufnahme gefällt.
Ja, beim 1. Anhören war ich vom Anfang des Stückes auch gar nicht so begeistert, aber dann gleich ein paar Takte später, wenn bei der 1. Variation die wunderbar weichen und fülligen Flöten der Dreifaltigkeitsorgel zu hören sind, gerade in diesem Kontrast zum rauhen Klang der Zungenstimme, da war ich sofort fasziniert und im weiteren Verlauf der Passacaglia zieht Lehrdorfer klangfarblich sprichwörtlich "alle Register".
Die 3 schönsten Stücke des Albums sind für mich die Seeger-Pastorale, die Schnitzer-Sonate und die Kuchar-Fantasie, die übrigens auch meine Interpretation dieses Stückes stark geprägt hat.
Ich muss ganz ehrlich gestehen, dass mir bis jetzt Jan Zwart und Klaas Jan Mulder kein Begriff waren, auch wenn diese Namen immer wieder - speziell als Komponisten der Musik diverser Johannus-Demo-Aufnahmen - auftauchen. Vielleicht eine Bildungslücke, wenn ich mir das 1. Stück dieser 1982 entstandenen Aufnahme von Klaas Jan Mulder an der Orgel der Grote Kerk von Hasselt anhöre:
Ich muss sagen, diese Fantasie-Toccatina über den Psalm 33 imponiert mir, Respekt ! 👍 Schon allein der Name des Stückes ist Untertreibung pur, für mich ist das keine "Toccatina", sondern eine ausgewachsene Toccata.
Reger auf einer Barockorgel ? Unmöglich ? Als ich gelesen habe, dass hier Reger auf der historischen Garrels-Orgel (1732) der Groote Kerk von Maassluis gespielt wird, dachte ich an einen Irrtum, denn ich kannte diese historische Barockorgel bisher nur von einer Bach-Einspielung von Ton Koopman und natürlich steht Bach dieser Orgel klanglich besser als Reger. Ich finde es aber zumindest "mutig" von Feike Asma, einer solchen Orgel Reger-Musik abzuverlangen und die Registranten müssen hier ganze Arbeit geleistet haben, wenn man bedenkt, dass diese Orgel über keinerlei romantische Spielhilfen verfügt, die für eine stilgerechte Reger-Interpretation fast unabdingbar sind.
Ich finde, bei dieser Aufnahme hört man, dass Instrument und Musik nicht zusammenpassen. Hatte Herr Asma damals kein passenderes Instrument für seine Reger-Einspielung gefunden? Es gibt doch auch in Holland romantische Orgeln.
Man dachte über die zu Regers Musik passende Orgel völlig anders als heute! Entscheidend war für die damalige Zeit, dass Reger wieder polyphone Musik in der Nachfolge von Bach schrieb (nämlich Fugen, Passacaglien, Choralvorspiele und andere historische Formen der Orgelmusik). Die romantischen Orgeln galten aber als völlig ungeeignet zur Darstellung polyphoner Strukturen; die Orgeln des Barocks und der Orgelbewegung dagegen wurden gezielt zur optimalen Darstellung polyphoner Strukturen gebaut. Also hielt man es für notwendig und sinnvoll, die Orgelmusik von Reger nicht auf romantischen, sondern auf barocken oder orgelbewegten Orgeln zu spielen, und die Interpretation von Regers Musik an diese Orgeln anzupassen, so wie es Hans Klotz in seinem "Buch von der Orgel" im Kapitel "Reger und die neuere deutsche Orgelmusik" beschreibt: "Beim Spiel seiner Musik ist zu beachten, daß seine dynamischen Vortragszeichen nur relativ zu verstehen sind; weder die zahlreichen ppp, ff, mp usw. noch die Bezeichnung "Org. Pl." dürfen wörtlich genommen werden. Die von Reger notierte Dynamik kommt der Tendenz des damaligen Orgelbaus entgegen, die den Ausdruck im dynamischen Auf und Ab suchte; dies ist aber dem Wesen der Orgel zuwider. Was Reger wirklich will, "ist ein seelisch bewegter Vortrag" (Straube); auf der Orgel erreicht man dieses Ziel durch den Anschlag, die Agogik und die Artikulation. Die Registrierung muß im Klangcharakter und in der Klangstärke mehr dem Architektonischen folgen; gerade damit werden wir die höchste Ausdruckskraft erzielen. Reger hat seine Werke nicht selten in dieser Weise, abweichend von seinen eigenen dynamischen Angaben, registriert, und wenn Straube seine Orgelmusik in dieser Weise interpretierte, hat er es ausdrücklich gutgeheißen." [Klotz zitiert hier Karl Straubes Briefe]
Eines der absoluten Highlights dieser Reihe: Gustav Leonhardt an der Dreifaltigkeitsorgel der Stiftsbasilika Ottobeuren, 1967 aufgenommen.
Es muss ca. 1980 oder 1981 gewesen sein, als ich die LP bekommen und unzählige Male gehört habe. Vor allem die Muffat-Toccata und die C. P. E. Bach-Sonate haben mich sofort fasziniert und mein klangliches und musikalisches Empfinden nachhaltig geprägt. Auf der Rückseite der LP (in der Slideshow zu sehen) sind sogar die detaillierten Registrierungen angegeben, unglaublich inspirierend und lehrreich ! Wenn man auch das Sampleset hat, kann man sie nachbauen und das klangliche Ergebnis mit Leonhardts Einspielung vergleichen.
Ja, ich habe auch diese Schallplatte; ich bekam sie als Jugendlicher zu Weihnachten geschenkt und sie wurde sofort meine absolute Lieblingsplatte! Auch heute noch finde ich sie besonders gelungen.
Interessant ist, dass Gustav Leonhardt als einer der ersten Vertreter der historischen Aufführungspraxis in dieser Einspielung beim Offertoire von Couperin noch dem historisch falschen, aber klanglich überzeugenden Registrierungsvorschlag von Alexandre Guilmant folgt, den Mittelteil nur mit Grundstimmen zu spielen. Das war für Guilmant natürlich sehr einfach zu realisieren, weil damals in Frankreich die Appels zu den Jeux de combinaisons allgemein üblich waren und die Zungenstimmen daher mit einem Tritt abgeschaltet werden konnten, so dass nur noch die Grundstimmen übrig blieben. Auf barocken französischen Orgeln wie jener von Riepp in Ottobeuren ist das dagegen nur mit Registranten zu bewerkstelligen (die aber bei Orgeln mit Rückpositiv kaum Platz haben!) und war daher wohl kaum von Couperin intendiert.