Meine absolute Lieblingsschallplatte, ich habe sie als Neunjähriger auf einem Flohmarkt entdeckt und nur gekauft, weil ich den Orgelprospekt auf dem Cover so unglaublich schön und beeindruckend fand, ist eine aus der Reihe Pape Orgeldokumente.
"Hanns-Christoph Schuster spielt an der 1966 von Emil Hammer erbauten Orgel in der ev.-luth. Stadtkirche in Bückeburg die Orgelkonzerte nach alten Meistern von Walther"
Die Orgel existiert nicht mehr, sie wurde Ender der Neunziger von Janke nach historischem Vorbild der dortigen ursprünglichen Orgel neu im bestehenden Prospekt erbaut. Was dem Klang einer Barockorgel auch weit besser entspricht. Nur ist diese Aufnahme der alten Orgel mit diesem Organisten für mich unerreicht. Für mich klingt Walther nirgends besser!
Okay, Marcel Dupre und seine Orgel sind wohl noch nicht so extrem historisch, aber ich finde es trotzdem interessant wenn vom Komponisten und seine Instrument klanglich etwas überliefert ist und man nicht wie bei Bach und Co nur vermuten kann wie er es gespielt hat und wie es an seinem Instrument klang.
Wenn man die von Dupre und seiner Orgel existierenden Aufnahmen so hört, dann ergeben die Teilweise seltsamen Registriervorschläge bei seinen Bearbeitungen z.B von Bach durchaus Sinn. Bei seiner Cavaillé‑Coll kann man durchaus die Mixtur viel einsetzen, während es bei unseren romantischen Orgeln schon besser klingt von den Vorschlägen abzuweichen. Aber ohne es gehört zu haben, kann man es nicht wissen sondern nur vermuten...
Schade das es so etwas zu Zeiten von Bach noch nicht gab, ich glaube vieles wäre dann heute anders...
Diese Aufnahme habe ich bereits seit vielen Jahren als LP zuhause: Sie ist ein hübsches Klangdokument zweier kleiner Stumm-Orgeln (Rhaunen und Sulzbach) in entsprechend kleinen Kirchen mit sehr wenig Hall. Das sind natürlich keine mächtigen, brausenden Klänge wie man sie von großen Stumm-Orgeln wie Amorbach oder mittelgroßen wie Meisenheim gewohnt ist, aber ich finde, sie vermitteln gut die unverfälschte, typisch-stummsche Klangschönheit, Farbigkeit, Lebendigkeit und Leuchtkraft. Auf einem der eingeblendeten Bilder kann man sogar die Registrierungen nachlesen.
Kürzlich veröffentlicht sind die Aufnahmen des Kölner Domorganisten Josef Zimmermann, genannt Piffaro-Jüppchen, weil er als Sachverständiger oft das Register Piffaro 4'+2' im Pedal forderte.
Für die Digitalisierung haben wir die alten LPs aus meiner Sammlung genommen.
Zweifellos eine historisch interessante Aufnahme von Josef Zimmermann - allerdings vor allem deswegen, weil sie belegt, dass Zimmermann nicht zu den ganz großen Improvisatoren seiner Zeit gehörte. Man muss das vergleichen z.B. mit der Symphonie en improvisation seines Zeitgenossen Pierre Cochereau: 1. Satz: Agité 2. Satz: Scherzo 3. Satz: Lent 4. Satz: Final
Ich kann mich gut erinnern, welchen Eindruck diese Aufnahme auf mich als Jugendlicher machte - ein guter Freund von mir, damals frisch vom Orgelstudium kommend und soeben zweiter Organist am Ulmer Münster geworden, hatte diese Improvisationsschallplatte entdeckt und wir saßen im Herbst 1978 spätabends in seiner Dachgeschosswohnung am Münsterplatz, hörten diese Aufnahme in voller Lautstärke und fanden sie völlig atemberaubend - Ähnliches hatten wir beide noch nie im Leben gehört!!
Ist das so? Vielleicht einfach ein anderer Ansatz. Die Franzosen dürften unsere Idee von liturgischem Orgelspiel eher merkwürdig finden, wie umgekehrt auch. Zimmermann kam einfach aus einer ganz anderen Tradition.
Unbestritten kam Zimmermann aus einer ganz anderen Tradition als Cochereau. Die Orgelbewegung (zu der man den Piffaro-Jupp angesichts seiner Dispositionen wohl rechnen muss, wenn auch als eher gemäßigter Vertreter) orientierte sich musikalisch an der bachischen und vor allem vorbachischen Musik und war an musikalischen Großformen aus dem 19. Jahrhundert wie der Symphonie absolut nicht interessiert, das war bei den französischen Titulaires der großen Kathedralorgeln in der Tradition von Widor und Vierne ganz, ganz anders.
Aber es ist eben nicht nur ein Unterschied in der musikalischen Orientierung zwischen Zimmermann und Cochereau, sondern auch ein qualitativer Unterschied. Darauf verweist eine ganz simple Beobachtung: John Scott Whiteley (nicht Cochereau selbst!) hat sich die Sisyphos-Arbeit gemacht, Cochereaus Symphonie en improvisation in Noten niederzuschreiben, und in dieser Transkription wird sie nun immer wieder gespielt (es gibt auf YouTube mehrere Einspielungen von anderen Organisten). Beides, das Niederschreiben und auch das Einüben der Noten, geschieht nur dann, wenn die betreffenden Personen hundertprozentig davon überzeugt sind, dass die Qualität der Musik die Mühe lohnt. Kennst Du auch nur eine einzige Improvisation von Zimmermann, die von einem anderen notiert und vielen weiteren nachgespielt und aufgenommen wurde?? Ich jedenfalls nicht!
Das kann allerdings nicht das Argument sein. Von Wolfgang Seifen gibt es auch keine nachträglich aufgeschriebenen Improvisationen und von vielen anderen auch nicht.
Ehrlich? Ich finde Cochereau in den meisten Fällen grauenhaft. Das Letzte, was ich tun würde, ist den Kram üben.
Nun ja, auch wenn es einem nicht gefällt: Das Notieren und Nachspielen einer Improvisation durch andere ist nun einmal der ultimative Ritterschlag für einen Improvisator, gewissermaßen der Improvisations-Nobelpreis - eine noch höhere Auszeichnung ist nicht möglich. Zum Trost für diejenigen, die den Improvisations-Nobelpreis nicht empfangen haben, kann man sich an die Worte von Edward Young 1759 über das Genie im Verhältnis zum Erlernen einer Handwerkskunst erinnern: „By the praise of Genius we detract not from Learning; we detract not from the value of Gold, by saying that Diamond has greater still." Auch die Kunst eines Josef Zimmermann hat ihren Wert, auch wenn andere als Improvisator eine höhere Auszeichnung erhalten haben.
Halte ich für eine unbewiesene Behauptung. Wie viele Leute sitzen vor billigen Pop-Songs und versuchen sie ohne Noten nach einer Youtubeaufnahme nachzuspielen? Ist das ein Beweis der Qualität?