F. J. Stoibers 1. Video des Jahres widmet sich ganz der Improvisation eines Trios im Barockstil, Stoiber hat dazu einen 7-Schritte-Plan entwickelt:
1. Entwurf eines "guten" Themas (idealerweise auf einer Kadenz basierend) 2. Das Thema wird abwechselnd in den 3 Stimmen gespielt 3. Transposition des Themas in Nebentonarten und abwechselndes Spiel des Themas in verschiedenen Tonarten, die sich gut aneinander fügen 4. Entwicklung von motivisch figurierten Sequenzen (wobei sich einmal mehr die Quintfall-Sequenz bestens bewährt) 5. Entwicklung einer kontrastierenden Gegenstimme (=Kontrapunkt) 6. Zwischenspiele mit dem Kontrapunkt 7. Entwicklung weiterer Zwischenspiele
Abschließend improvisiert Stoiber ein bach-ähnliches Choraltrio mit dem Cantus firmus "Ich steh an deiner Krippen hier".
F. J. Stoibers neues Video, die "Basisübung 21" basiert auf der Wiederholung der "harmonischen Grammatik", wie er sie bereits in seinen frühen Improvisations-Videos erklärt hat: Kadenzen, Pendel, Quintfallsequenz und Transposition derselben. Stoiber will damit zur kreativen Improvisation inspirieren und motivieren. Die praktische Anwendung dieser grundlegenden Techniken eröffnet bereits reizvolle musikalische Möglichkeiten wie z.B. ein Concerto à la Vivaldi oder eine Intrada im Renaissance-Stil, ein Präludium im Barockstil, eine Sarabande im frühbarocken Stil, eine barocke Aria, eine französische Ouvertüre ...
F. J. Stoibers neues Video ist vor allem für Fans konservativer, stilvoller Orgelmusik (wie mich !) wertvoll und sehenswert: Diesmal geht es um ein Präludium im Stil süddeutscher Meister des 17. und 18. Jahrhunderts. Die einleitende Improvisation erinnert mich vom Stil her frappant an Johann Caspar Simons 14 leichte Präludien und Fugen (1754).
Die "Bausteine" (Kadenzen, Quintpendel, Dreiklangsumspielungen, Figurationen, Akkordschläge, Akkordbrechungen, Laufwerke, (reale) Quintfallsequenzen ...) sind bereits aus Stoibers früheren Improvisations-Videos bekannt.
Das Konzept des südeutschen Präludiums lässt sich hervorragend für Postludien, aber durchaus auch für choralbezogene Einzugspräludien nutzen, was F. J. Stoiber anhand des beliebten Einzugsliedes GL 142 (Zu dir, o Gott, erheben wir die Seele) demonstriert.
Alles in allem zählt dieses Video für mich zu F. J. Stoibers "Highlights", die mich am meisten inspiriert haben. ***** Wenn man das erstmal wirklich "drauf hat" und auch umsetzt, ist man nie wieder um ein stilvolles Einzugs-Präludium verlegen ! Die "(I)" im Titel des Videos lässt bereits darauf schließen, dass es zu diesem Thema noch mehr von F. J. Stoiber geben wird.
F. J. Stoibers neues Video, das 5. aus seiner Reihe "Akkord des Monats" ist wieder einem Improvisationsstil des mittleren bis späten 20. Jahrhunderts à la Olivier Messiaen gewidmet, die harmonische Grundlage dafür bildet der Tritonusquart-Akkord:
Ganz ehrlich: Dieser Stil ist nicht meiner und solange ich die Improvisation in historischen - für meinen Geschmack "schönen" - Stilen noch nicht perfekt beherrsche, werde ich mich nicht näher mit dem Tritonus-Quart-Akkord beschäftigen, aber vielleicht ist dieses Video ja für euch interessant, deshalb wollte ich es auch nicht unerwähnt lassen.
F. J. Stoibers neues Video ist ganz dem Osterchoral "Christ ist erstanden" gewidmet, wobei sich Stoiber von Denis Bedard inspirieren lässt:
Als Basis für ein festliches Präludium dient wie so oft ein von Prof. Stoiber selbst komponierter Choralsatz, der zunächst einfach nur vollgriffig gespielt wird, im Anschluss daran entwickelt Stoiber ein Fugato, bei dem Schließlich ein Cantus firmus im Tenor solistisch registriert hinzutritt. Dem wieder akkordisch gespielten "Kyrieleis" folgt ein 2. Fugato über den 2. Choralvers wieder und dann wieder das "Kyrieleis" in monumentalen Akkorden, den Abschluss nach einer Fermate bilden 1/32-Läufe, die in Akkorde mit erweiterter Harmonik münden, bevor abschließend die 1. Liedzeile noch ein letztes Mal zitiert wird.
Im 2. Teil des Videos entwickelt Stoiber eine Toccata, die mit einem Laufwerk beginnt, das Stoiber aus der Figuration der Choralmelodie entwickelt. Die rechte Hand spielt das Laufwerk, das mit der linken und dem Pedal in Staccato-Akkorden begleitet wird. Nach einer Überleitung aus 1/16 und 1/16-Triolen-Laufwerk folgt ein Ostinato mit Cantus firmus (in Quart-Akkorden) in der rechten Hand und 1/16-Begleitfiguren in der linken. Die Pedalstimme wird auch aus der Choralmelodie abgeleitet. Das Laufwerk wechselt schließlich von 1/16-Noten in 1/16-Triolen, die 2-stimmig von beiden Händen gespielt werden, wodurch eine effektvolle Steigerung entsteht, bevor der Cantus firmus im Pedal hinzutritt. Danach wird das Choralthema als Dialog zwischen rechter Hand und Pedal durchgeführt, während die linke das Laufwerk aus 1/6-Triolen spielt. Schließlich übernimmt das Pedal das ursprüngliche 1/16-Laufwerk, während der Cantus firmus in vollgriffigen Akkorden von beiden Händen gespielt wird.