Früher habe ich jedes Honorar akzeptiert. Zu niedrig war die Entlohnung allemal. Das war mir schon klar, aber des Geldes wegen habe ich nicht georgelt. Was mir damals sauer aufstieß waren die komplizierten Abrechnungssysteme im heimatlichen Kirchenbezirk der badischen Landeskirche und bei einer katholischen Gemeinde: Formulare, die im Pfarrbüro für jeden Einsatz abgegeben werden mussten, um dann vierteljährlich zu einer Verrechnungsstelle geschickt zu werden (sowohl bei der ev. wie bei der kath. Kirche). Ratsam war es, vor Weihnachten nochmal vorstellig zu werden, damit das meist ausgebliebene Honorar endlich auf meinem Konto landet.
Seit einigen Jahren spiele ich in einer Gemeinde im Bezirk der evangelischen Landeskirche Württemberg (im Wechsel mit einer Kollegin und einem Kollegen). Hier wird das Honorar monatlich automatisch auf’s Konto überwiesen und die Abrechnung folgt per Mail. Und seit immer mehr Pfarrstellen vakant sind, beorgle ich am Sonntagmorgen zwei Gemeinden und folge dem jeweiligen Zelebranten mit dem PKW zur anderen Kirche. Das sonntägliche Programm ist in beiden Gemeinden (fast) gleich. Abgerechnet werden zwei Gottesdienste (je einer von jeder Gemeinde).
Das Honorar ist nicht schlecht: Mit Fahrkosten mindestens 52 Euro pro Gemeinde pro Gottesdienst, also über 100 Euro (bei Abendmahl und weiteren Extras dementsprechend mehr). Ich bin ohne irgendeine kirchenmusikalische Prüfung unterwegs.
Vor einigen Jahren bin ich kurzfristig zu einer Vertretung bei einem Beerdigungsgottesdienst eingesprungen. Zu der Zeit gab es ein Vertretungshonorar von 18 EUR. Tatsächlich war aber in der Sakristei kein Geld für mich hinterlegt. Antwort des Küsters: Ja, da kümmert sich unser Rendant drum. Tatsächlich bekam ich ein paar Tage später ein ziemlich dickes Couvert DIN A4 vom zuständigen Verwaltungszentrum zugeschickt. Darin ein Anschreiben mit dem Hinweis, dass ich zur Abrechnung der Vertretung noch vorzulegen habe:
- Einen Beschäftigungsvertrag ("Befristungsabrede"), wo noch nicht einmal die Höhe der Vergütung eingetragen wurde - Geburtsurkunden meiner Kinder in Kopie, - Beitragsbescheinigung meiner privaten Krankenversicherung, - meine letzten Verdienstabrechnungen in Kopie, - meine Schulabschlüsse und Berufsausbildungsnachweise
Ich habe die Kirchengemeinde gebeten, meine Dienste als "Spende" abzubuchen und mich künftig nicht mehr für irgendwelche Dienste anzurufen.
Ähnlich verhielt es bei der Vertretung eines Kollegen, der selbst als Vertreter eingeteilt war, aber dann doch absagen musste. Hier lag nach der Messe (ebenfalls eine Beerdigung) ein Couvert in der Sakristei mit 15 EUR und einem Quittungsformular. Zu diesem Zeitpunkt betrug das offizielle Vertretungshonorar laut Bistum schon 25 EUR. Ich habe dann den Rendanten angerufen, der mir das nette Couvert hinterlegt hatte. Ich fragte ihn, ob er schon wisse, dass der aktuelle Satz 25 EUR betragen würde? Antwort: Ja, das sei aber nur für Vertretungen direkt beim Bistum (er meinte wohl die hohe Domkirche), was definitiv falsch war. Er meinte dann, man habe schon immer 15 EUR gezahlt, das sei dort ortsüblich und ein "schöner Stundenlohn". Ich habe ihm dann gesagt, dass ich eine dreiviertel Stunde vor der Messe mit dem Auto losgefahren sei und nach der Messe nochmal zurück, insgesamt rd. 40 km. Zudem habe ich den Gottesdienst vorbereitet mit Liedplan und Orgelstücken, was auch nochmal mindestens eine halbe Stunde Zeit war. Genau gerechnet ergab sich für mich:
Ergibt einen Netto Stundenlohn von minus 3,00 EUR. Das hat der gute Mann aber immer noch nicht verstanden. Ich habe dann auch dort darum gebeten, mich nicht weiter für Vertretungen anzusprechen. Als ich den eigentlichen Vertreter darauf ansprach, bestätigte er die Angaben, meinte aber: Mir ist das egal, ich wohne ja direkt um die Ecke und habe keinerlei Kosten.
Zitat von Zartbass im Beitrag #23- Einen Beschäftigungsvertrag ("Befristungsabrede"), wo noch nicht einmal die Höhe der Vergütung eingetragen wurde - Geburtsurkunden meiner Kinder in Kopie, - Beitragsbescheinigung meiner privaten Krankenversicherung, - meine letzten Verdienstabrechnungen in Kopie, - meine Schulabschlüsse und Berufsausbildungsnachweise
Das hört sich schon fast wie ein Scherz an. Ich arbeite selbst hauptamtlich in der Landeskirche im Verkündigungsnahen Dienst und musste nicht so umfangreiche Informationen einreichen... Da muss man sich nicht wundern wenn niemand mehr da ist zum spielen... Hier ist es beim Orgeldienst ein Zettel mit Name und Anschrift, unten eine Tabelle wo man seine Dienste einträgt und das wird einfach in den Briefkasten geworfen oder mir in die Hand gedrückt. Spieler die nur selten da sind geben ihn sofort ab, regelmäßige Spieler sammeln. Wobei man für jede Gemeinde natürlich einen eigenen Zettel braucht. Geht aber auch digital. Den selben Zettel mit anderer Überschrift nutzen auch Lektoren und andere Vertretungen.