Zitat von Polyphoniker im Beitrag #10https://de.wikipedia.org/wiki/Kurze_Oktave
Danke, jetzt weiß ich mehr. Beim genauen Nachdenken da fällt mir ein, dass ich auch schon Orgeln hatte wo es im Diskant so war. Man lernt nie aus.
Werden die Töne heute eigentlich öfter genutzt? Das Cis habe ich nach meiner Erinnerung tatsächlich noch nie gebraucht. Und ganz sicher noch nie im Pedal...
Zitat von Klangpost im Beitrag #9Ich bin da kein Profi, aber unser Kantor hat mir einmal eine Abhandlung erzählt wo es darum ging, dass Bach wohl ein Stück geschrieben hat mit einem Tonumfang im Bass, den nur ein oder zwei Orgeln bieten und diese wurden scheinbar für diese Stücke gebaut. Es soll wohl so sein, dass man mit bestimmten Registerkombination den Eindruck erwecken kann Töne gespielt zu haben, die es eigentlich ab einem Instrument nicht gibt.
Aber ob das tatsächlich so ist, die Frage ist zu hoch für mich. Aber durchaus denkbar, dass man so tricksen kann.
Aber eine andere Frage, warum haben die Orgeln kein Cis? Wäre doch logischer dann beim D aufzuhören, anstatt einfach eine Taste zu unterschlagen. Okay, praktisch ist Literatur mit dem Ton überschaubar.
Bei Bach ist 572 mit H ein Problem und natürlich in der anderen Richtung 540 bis f1. Für beide gibt es eine Theorie, dass sie für eine bestimmte Orgel geschrieben wurden, bei 540 die Schlosskirche Weißenfels, bei 572 kann ich mich nicht erinnern.
In der Praxis lässt sich das schnell lösen. In 572 kann man oktavieren oder man schlägt zusätzlich ein fis an und versucht einen akustischen 32' zu erzeugen. Hängt etwas von der Orgel ab, ob das klappt. Für 540 gibt es eine Fassung des Pedalsolos von Krebs. Das ist eine praktikable Lösung von einem erfahrenen Komponisten und Organisten, der Bach nahstand.
Cis fehlt gerne, weil man den Ton kaum braucht. Ein fehlendes C wäre natürlich ein empfindlicher Verlust.
Zitat von Polyphoniker im Beitrag #10https://de.wikipedia.org/wiki/Kurze_Oktave
Danke, jetzt weiß ich mehr. Beim genauen Nachdenken da fällt mir ein, dass ich auch schon Orgeln hatte wo es im Diskant so war. Man lernt nie aus.
Werden die Töne heute eigentlich öfter genutzt? Das Cis habe ich nach meiner Erinnerung tatsächlich noch nie gebraucht. Und ganz sicher noch nie im Pedal...
Kurze Oktave im Diskant? Noch nie gesehen. Normalerweise hat man damit bei den großen Pfeifen Platz und Kosten gespart, vor allem im Süden. Manches von Froberger z.b. lässt sich auf den modernen Umfängen nur mit Mühe spielen.
Also, ich bin sicher, dass ich Cis gestern noch beim Üben gebraucht habe (Andriessen, Thema mit Variationen).
Ich: Wie kann man BWV 565 auf einer Orgel mit kurzer Oktave spielen?
ChatGPT:
Die Toccata und Fuge in d-Moll, BWV 565, stellt auf einer Orgel mit kurzer Oktave eine besondere Herausforderung dar, da dieses historische Tastatursystem in den tiefen Oktaven chromatische Töne weglässt. Stattdessen werden nur die für den Bass wesentlichen Töne wiedergegeben, um Platz und Material zu sparen.
Eine kurze Oktave bedeutet:
In der tiefen Oktave (z. B. C-g) fehlen Tasten für Töne wie Cis, Dis, Fis oder Gis. Stattdessen werden z. B. C#, D# usw. durch andere Basstöne ersetzt, z. B. C als A, D als B usw.
Herausforderungen bei BWV 565
Die Toccata und Fuge nutzt oft chromatische Läufe und tiefe Bassnoten, die auf einer kurzen Oktave nicht direkt spielbar sind. Insbesondere die anfänglichen Akkorde und Basslinien können schwierig umzusetzen sein.
Strategien zur Anpassung
Oktavierungen: Verschiebe nicht spielbare Töne um eine oder mehrere Oktaven nach oben, um die Harmonie zu erhalten. Beispiel: Wenn ein tiefes Cis nicht verfügbar ist, spiele es stattdessen eine Oktave höher.
Reduktion der Bassstimmen: Streiche nicht wesentliche Töne oder spiele nur die Grundharmonien der Akkorde.
Ersetzen fehlender Töne: Verwende nahegelegene spielbare Töne. Wenn z. B. ein tiefes Dis nicht vorhanden ist, spiele stattdessen ein D oder E, je nachdem, was harmonisch besser passt.
Umregistrierung: Nutze Registerkombinationen, die tiefe Töne hervorheben, um die "fehlenden" Töne zu kompensieren. Eine 16’- oder 32’-Fuß-Lage im Pedal kann den Eindruck eines vollständigen Bassfundaments verstärken.
Freies Bearbeiten: In extremen Fällen, wenn bestimmte Passagen unspielbar sind, arrangiere sie für die kurze Oktave neu. Diese Praxis war im Barock üblich, da Musiker ihre Werke oft an das verfügbare Instrument anpassten.
Beispiel für den Anfang von BWV 565
Die berühmte Eröffnung der Toccata enthält tiefe Basstöne (z. B. D und A). Auf einer kurzen Oktave könntest du:
Die Basstöne D und A normal spielen (sie sind auf einer kurzen Oktave meist vorhanden). Fehlende Töne wie Cis durch harmonisch passende Alternativen oder Oktavierungen ersetzen.
Praktische Tipps
Studium der Harmonien: Verstehe die harmonische Funktion der Bassnoten. Das hilft dir, fehlende Töne sinnvoll zu ersetzen. Hörbeispiele: Höre Interpretationen auf historischen Orgeln mit kurzer Oktave, um Anregungen für die Spielweise zu erhalten. Improvisation: Experimentiere mit der Anpassung von Passagen, bis sie flüssig spielbar sind.
Die Anpassung von BWV 565 an eine Orgel mit kurzer Oktave erfordert Kreativität, aber sie bietet auch die Möglichkeit, das Werk im Kontext der barocken Spielpraxis neu zu interpretieren.
Hört man in die im ersten Post verlinkte Version auf Youtube rein, so bemerkt man, dass nach dem ersten Motiv ein Register, wahrscheinlich ein 1' und ggf. noch ein hohes Aliquot, fehlt, um im 2. Motiv einen tiefer oktavierten Motivlauf zu "simulieren". D.h. der erste und zweite Motivlauf werden in der gleichen Oktave gespielt. Das merkt man auch daran, dass der 8' erst beim dritten Motivlauf tiefer erklingt, bei den ersten beiden bleibt die "Basis" der Tonhöhen gleich.