Sorry für meine Neugier, aber das neue Avatarbild von JJBB1 gefällt mir so gut, es ist ein imposanter Spieltisch einer großen, 3-manualigen Orgel mit vielen Registern und Spielhilfen, wenn man ganz genau hinsieht, dann hat sie sogar eine Crescendo-Walze. In Anbetracht der Registerwippen scheint es sich um eine Orgel mit pneumatischer, elektropneumatischer oder elektrischer Traktur zu handeln. Die Bank scheint sogar höhenverstellbar zu sein. Kann uns JJBB1 bitte näheres zu dieser beeindruckend aussehenden Orgel erzählen ?
Zitat von Romanus im Beitrag #1Sorry für meine Neugier, aber das neue Avatarbild von JJBB1 gefällt mir so gut, es ist ein imposanter Spieltisch einer großen, 3-manualigen Orgel mit vielen Registern und Spielhilfen, wenn man ganz genau hinsieht, dann hat sie sogar eine Crescendo-Walze. In Anbetracht der Registerwippen scheint es sich um eine Orgel mit pneumatischer, elektropneumatischer oder elektrischer Traktur zu handeln. Die Bank scheint sogar höhenverstellbar zu sein. Kann uns JJBB1 bitte näheres zu dieser beeindruckend aussehenden Orgel erzählen ?
Das ist die "Parade-NOVAK-Orgel" von Ternitz mit elektrischer Kegellade, 34/III/P, Bj. 1958, 2-motorig, mit verfeinerter Intonation durch Christoph Allgäuer und sehr exakter Tastenansprache trotz der relativ großen Entfernung zu den einzelnen Teilwerken. Auch H. Gasser und Prof. CAPEK haben auf dieser Orgel bereits Orgelkonzerte gegeben und waren von dem Instrument sehr angetan. Natürlich ist auch ein Schweller (III) vorhanden. Nur die Prospektpfeifen sind elektropneumatisch, der Rest ist elektrische Kegellade. Dabei handelt es sich meines Wissens nach um die größte je von NOVAK/Klagenfurt gebaute Orgel.
Vor ca. 10 Jahren wurde die gesamte Elektrik durch Allgäuer erneuert und eine (einfache) Setzeranlage eingebaut. Bemerkenswert sind u.a. - Prinzipalbass 16' mit 180° gekröpften Pfeifen (Pedal), wo die 4 tiefsten Pfeifen aus Holz (im Kirchenraum nicht sichtbar) ausgeführt sind - Prinzipal 16' (extra, mit 90° gekröpften Pfeifen, wo die tiefsten 4 Pfeifen von Skrabl ergänzt wurden) - Zungen und Aliquoten in jedem Manual - Winddruck: 90 mm WS (HW/P), 80 mm WS (II), 70 mm WS (III) - Festkombinationen - die Orgel wurde für einen Kirchenraum mit 700-800 Personen geschaffen, - Register in tiefer Fußlage wesentlich mehr vorhanden als bei Wiener Neustädter Domorgel - ganz unterschiedliche intonierte Prinzipale 8' in jedem Werk - Nachthorn 8' (II) könnte eine überblasende Flöte sein, muss ich mir erst näher ansehen
Man könnte zu Recht sagen, eine Domorgel im Kleinformat. Ich spiele hier regelmäßig die SO Abendgottesdienste um kümmere mich auch um das betreffende Orgelservice mit Allgäuer, der einen festen Wartungsvertrag hat. Bei Interesse an dieser Orgel bitte melden.
Tolle Orgel, eine "Lieblich Posaune 16´" sieht und hört man nicht jeden Tag ! 🧐 Das einzige, was ich hier vermissen würde, wäre ein Kornett im Hauptwerk. 🤔 Die Registerwippen sehen fast genauso aus wie die "alten" von Viscount, wie sie auch in meiner Gloria Concerto 234 verbaut sind.
Zitat von Romanus im Beitrag #3Tolle Orgel, eine "Lieblich Posaune 16´" sieht und hört man nicht jeden Tag ! 🧐 Das einzige, was ich hier vermissen würde, wäre ein Kornett im Hauptwerk. 🤔 Die Registerwippen sehen fast genauso aus wie die "alten" von Viscount, wie sie auch in meiner Gloria Concerto 234 verbaut sind.
Ein Kornett in der Mindestform einer Sesquialtera 2fach 2 2/3' kann man sich in Ternitz indirekt aus der Kombination von Nasat 2 2/3' (HW I) und der Terz durch eine III/I-Koppel "erzeugen", wenn man es benötigt. Andere Register können je nach Belieben aus allen Werken hinzukommen. Die weiteren Koppeln "III sub I" und "III super I" würden noch weitere Möglichkeiten gestatten.
Die Posaune 16' hat nur Schallbecher in 8'-Länge, hinsichtlich derer Anton Skrabl vorgeschlagen hatte, deren Schallbecher auf 16' zu verlängern, wozu es aber dann in weiterer Folge nicht kam. Ich würde aber sagen, dass die "Lieblich Posaune 16'" dennoch sehr kräftig ist.
Der Prinzipal 16' im HW hatte ursprünglich für die 4 tiefsten Pfeifen im HW eine Transmission zum Subbass 16'. Die 4 tiefsten Pfeifen des Prinzipal 16' im HW wurden aber dann von Anton Skrabl/Slowenien auf einer kleinen Zusatzwindlade ergänzt und ausgebaut.
Prinzipal 16' (HW) erklingt in der linken Gehäusehälfte, der Prinzipalbass 16' (P) in der rechten Gehäusehälfte. Schließlich gilt es, einen vergleichsweise großen Kirchenraum akustisch abzudecken. 16'-Bässe links: Subbass 16', Prinzipal 16' (HW) und Lieblich-Posaune 16'; 16-Bässe rechts: Pinzipalbass 16' (P); die Quint-Transmission 10 2/3' (aus Subbass 16' links) ermöglicht dann noch einen akustischen 32'-Bass.
Letztlich ist die Orgel in Ternitz eine Universalorgel der 1960er-Jahre, die alle Arten von Musik von französischer Romantik bis zur Barockmusik ermöglicht, gibt es doch viele sehr unterschiedlich intonierte Register. Das sind zum Teil romantisch intonierte Register, zum Teil barock intonierte Register, die sich gut ineinander mischen. Die Größe der Orgel gestattet ziemlich viele Klangmöglichkeiten in allen Abstufungen. In jedem Werk gibt es unterschiedliche 8'-Prinzipale (I-III), 8'-Flöten (I-III) und 8'-Streicher (in II und III). Jedes Werk hat sein spezifisches Zungenregister und seine eigenen Aliquoten. Oberoktav- und Unteroktavkoppeln eröffnen dann noch weitere Möglichkeiten.
P.S.: von Anton Skrabl steht seine 1. Orgel in Österreich in der Filialkirche in Wartmannstetten, die seinerzeit mit 9 Registern (9/II/P) und drehbaren Registerknöpfen gebaut wurde. Diese Orgel wurde zu einer Zeit gebaut, wo Slowenien noch ein Lohnniveau von 13% hatte. Die Lohnkosten betragen aber 70% der Gesamtkosten der Orgel. Selbstredend, dass sich dies entscheidend auf den Gesamtpreis der Orgel mehr als stark auswirkte. Diese Orgel konnte 1995 umgerechnet um ca. ATS 600.000 in Österreich gebaut werden. Ein inländischer Orgelbauer hätte damals mehr als doppelte von diesem Betrag veranschlagt. Wartmannstetten ist eine Filialkirche der Pfarre Neunkirchen.
Walter Sengstschmid und +Albert Mühleder (seinerzeitiger Vikariatskantor) waren von diesem Orgelprojekt seinerzeit schwerstens begeistert und haben alles in die Wege geleitet, um diese Orgel zu ermöglichen. Sengstschmid und Mühleder besuchten selbst auch die Orgelbauwerkstätte von Anton Skrabl in Slowenien. Diese Orgel ist auch hervorragend intoniert. Ein Besuch wäre sie ebenfalls wert.
Anton Skrabl arbeitet mit Jürgen Beckerath zusammen, liefert auch viele Orgelteile an andere Orgelbauer und hat ca. 50 Mitarbeiter beschäftigt. Ich hatte selbst diesen Orgelbaubetrieb vor einigen Jahren in Slowenien besichtigt - gar nicht einmal so weit von der österreichischen Grenze.