Gestern Abend war ich in einem Orgelkonzert in Neuhausen, einem kleinen Schwarzwald-Dorf, das zur Gemeinde Königsfeld gehört. Tournemire, Franck, Boëllmann, Rheinberger u. a. auf einer französischen Orgel à la Cavaillé-Coll (Ende 19 Jh.). Verblüffend, welche Klangfarben der Meister dem kleinen Örgelchen entlockte ... Weitere Infos zur Orgel: https://www.freiburgerorgelbau.de/orgelwerke/restaurierungen/koenigsfeld-neuhausen/
Französische Orgeln auf deutschem Boden sind tatsächlich eine Rarität, die Disposition liest sich aber ziemlich knapp. Was ist eigentlich unter den Spielhilfen "Anche Réc." und "Octave grave" zu verstehen ? Ist letzteres eine Suboktavkoppel ?
Zitat von Romanus im Beitrag #2Französische Orgeln auf deutschem Boden sind tatsächlich eine Rarität, die Disposition liest sich aber ziemlich knapp. Was ist eigentlich unter den Spielhilfen "Anche Réc." und "Octave grave" zu verstehen ? Ist letzteres eine Suboktavkoppel ?
Cavaillé-Coll und andere französische Orgelbauer im 19. Jahrhundert unterteilten die Laden in einen vorderen und einen hinteren Teil mit entsprechend zwei Windkästen; auf dem einen Teil stehen die Grundregister 16' bis 4', auf dem anderen die Zungenstimmen, Obertonregister ab 4' und Mixturen. Die Windzufuhr zu den Zungen und Mixturen ist mit einem Sperrventil versehen, das durch den Tritt "Anches ..." für das jeweils betreffende Werk geöffnet wird. Die Zungen und Mixturen klingen also erst, wenn a) ihre Registerzüge gezogen sind und b) das zugehörige Sperrventil geöffnet wird. Man kann so während dem Spiel die lauten Register an- und wieder abschalten durch einen Fußtritt. Im Fall der Orgel in Neuhausen wird mit dem Tritt Anche Réc. das Basson im Récit aktiviert oder deaktiviert, sofern der Registerzug gezogen ist.
"Octave grave" ist in der Tat eine Suboktavkoppel, in der Regel koppelt sie das Récit oktavierend an das Hauptmanual.