Hier hören und sehen wir eine Aufführung von Johann Speths Toccata sexta auf einer italienischen, 1750 erbauten Orgel mit nur einem Manual und dafür ziemlich vielen Registern. Das wirklich Bemerkenswerte daran ist aber (bei aller Qualität) nicht die Interpretation, sondern die ungewöhnliche Kurbel rechts oberhalb der Registzerzüge, die bei Registerwechseln wie von selbst ihre Stellung ändert, ohne dass der Organist selbst umregistriert. Sowas habe ich bisher noch nirgends gesehen. 🧐 Es wirkt fast so, als ob ein unsichtbarer Registrant mit der Kurbel die Registrierung umschalten würde !
Zum Zeitpunkt 3 Minuten 24 sieht man, wie er einen Fußhebel ganz rechts betätigt. Der dürfte mit der Kurbel gekoppelt sein und die "Geisterhand" erklären.
Interessant, also eine Art barocker Vorläufer einer Setzeranlage ? Die Kurbel scheint übrigens eine Spezialität italienischer Orgeln zu sein, denn hier sieht man die gleiche Kurbel bei einer 1770 erbauten Callido-Orgel. 🧐
Auch "meine" Mauracher hat 2 Fixkombinationen, auf die mittels dreier Pedale rechts umgestellt werden kann, wobei das 1. Pedal die jeweilige Kombi ausschaltet und dann nur die manuell gewählten Register erklingen.
Es gibt nichts in der Welt, das so wertvoll wäre, wie der Herzensfrieden. ~Franz v. Sales~
Bei alten italienischen Orgeln gibt es schon mal einen tiratutti Zug, der das Plenum einschaltet. Möglicherweise ist es so etwas, wechselwirkend mit Tritt und Kurbel.
Das ist in der Tat ein "Tiratutti", an dieser Orgel als Handkurbel und als Doppeltritt angelegt, wie aus dem Video-Kommentar hervorgeht ("Tiratutti a manovella e a doppio pedaletto"). Der "Tiratutti" als Handkurbel war eine Spezialität der venezianischen Orgelbauschule seit Pietro Nacchini und Gaetano Callido im 18. Jahrhundert. Die Besonderheit dieses Mechanismusses ist, dass alle Register des Prinzipalplenums gemeinsam eingeschalten und wieder ausgeschalten werden können - mit Ausnahme der Register, die bereits von Hand gezogen sind, die bleiben auch beim Ausschalten des Tiratutti gezogen.