Ob es in evangelischen Kreisen goutiert wird, hängt ganz von der Ausrichtung der betreffenden Gemeinde ab. Lutherisch geprägte Gemeinden haben kein Problem mit Gregorianik - sie wird in diesen Kreisen als ein geschichtliches Erbe gesehen, das Katholiken und Protestanten gemeinsam haben und an dem nichts Schlechtes ist. Das einzige Problem der Gregorianik, weshalb die Lutheraner sie nicht pflegen, ist die lateinische Sprache, die den Gemeindemitgliedern normalerweise unverständlich ist, aber bei einem instrumentalen Stück ist sie ja ohnehin nicht vorhanden, und notfalls kann man das Problem mit einer schriftlichen Übersetzung immer lösen. Etwas anders sehen es pietistisch geprägte Gemeinden, da gibt es eine gewisse Aversion gegen Gebräuche, die als "katholisch" empfunden werden, zudem spielt immer die Frage eine Rolle, ob es dem persönlichen religiösen Erweckungserlebnis dienlich ist (mal ganz stark vereinfachend ausgedrückt).
Ich weiß grad nicht, ob ich euch ob des kritiscgen Publikums beglückwünschen und beneiden soll, oder eher bemitleiden🤪...
Bei meinen Katholischen Gemeinden gibt es glaube ich, kaum jemanden, dem es auffällt, wenn ich während der Kommunion über ein bekanntes GL- Lied improvisiere, geschweige denn, wenn ich mal eines nehme, das NUR im evangelischen Gesangbuch abgedruckt ist. Insofern genieße ich da wohl einiges an Freiheit.😅
Es gibt nichts in der Welt, das so wertvoll wäre, wie der Herzensfrieden. ~Franz v. Sales~
Zitat von Axel im Beitrag #20Schöne Musik. Allerdings sehr katholisch. Ob es in erzevangelischen Kreisen goutiert wird? Ich habe als Schüler mal einen evangelischen Job gehabt, wo der Pfarrer sehr genau hinhörte und selbst auch etwas Orgel spielen konnte. Der merkte nach dem Gottesdienst öfters an: Ah, heute waren wir aber sehr katholisch.
Da besteht keine Gefahr. Die zwei Kirchen, die ich mit einem Kollegen beorgle, liegen in Baden, gehören aber seit einigen Jahren zur Ev. württembergischen Landeskirche. Die zwei Gemeinden werden in naher Zukunft zusammengelegt. Die Zusammenarbeit mit katholischen Gemeinden ist meiner Einschätzung nach sehr gut. Ich selbst wohne aber weiter westlich im Gebiet der Badischen Landeskirche.
Naja, gerade in der württembergischen Landeskirche gibt es viele pietistisch geprägte Gemeinden. Aber meistens sind solche Gemeinden leicht erkennbar an einer Vorliebe für NGL, Gospelchor, Gitarrenbegleitung, und einem unverhohlenen Desinteresse an klassischer Orgel- und Kirchenmusik.
Ja, die Gemeinden gibt es, aber »weit weg« von uns. Die Lage der kath. und ev. Gemeinden bei uns ist derzeit alles andere als rosig. Auf beiden Seiten werden Gemeinden zusammengelegt und die Kirchenbezirke zu Großbezirken verschmolzen. Da schaut man nicht von oben auf die Glaubensschwestern und -brüder der anderen Konfession hinab. Da ist Ökumene gefragt, wenn es auch dem ein oder anderen etwas sauer aufstößt. Und musikalisch funktioniert es bei den Kirchenmusikern eh schon längere Zeit.
Zitat von Spiritus boni im Beitrag #23Ich weiß grad nicht, ob ich euch ob des kritiscgen Publikums beglückwünschen und beneiden soll, oder eher bemitleiden🤪...
Bei meinen Katholischen Gemeinden gibt es glaube ich, kaum jemanden, dem es auffällt, wenn ich während der Kommunion über ein bekanntes GL- Lied improvisiere, geschweige denn, wenn ich mal eines nehme, das NUR im evangelischen Gesangbuch abgedruckt ist. Insofern genieße ich da wohl einiges an Freiheit.😅
Ich kenne etliche Organisten, die ursprünglich auf katholischer Seite tätig waren und dann in evangelische Dienste traten. Soweit mir bekannt, empfanden sie es immer als eine riesige Verbesserung, hauptsächlich deswegen, weil sie zum allerersten Mal den Eindruck hatten, dass ihr Können und ihre Tätigkeit geachtet und geschätzt wird.
Ursache hierfür ist der völlig unterschiedliche Stellenwert der Kirchenmusik in den beiden Konfessionen. Auf katholischer Seite ist die Kirchenmusik im Prinzip ein Ornament der Liturgie - nett, vielleicht auch wünschenswert, aber nicht wirklich wesentlich, weil die Liturgie auch ohne dieses Ornament möglich ist, man kann jederzeit auf das musikalische Ornament verzichten. Auf protestantischer Seite hingegen wird die Kirchenmusik mindestens seit dem frühen 20. Jahrhundert wieder als eigenständige Form der Verkündigung gesehen - der Kirchenmusiker macht also genau das gleiche wie der Pfarrer mit seiner Predigt, nur eben mit Musik. Kirchenmusiker und Pfarrer sind somit gleichwertig, der Kirchenmusiker ist nicht der Angestellte des Pfarrers, vielmehr sind beide Angestellte der Gemeinde.
Aber es ist klar, wenn der Kirchenmusik eine so große Rolle beigemessen wird, dann achten mindestens manche protestantische Gemeindemitglieder auch darauf, ob sie den Ansprüchen gerecht wird (und gleiches wird auch beim Pfarrer getan), während es katholischerseits den Allermeisten völlig egal ist, was da musikalisch abläuft.
Zitat von Bartpfeife im Beitrag #27Aber es ist klar, wenn der Kirchenmusik eine so große Rolle beigemessen wird, dann achten mindestens manche protestantische Gemeindemitglieder auch darauf, ob sie den Ansprüchen gerecht wird (und gleiches wird auch beim Pfarrer getan), während es katholischerseits den Allermeisten völlig egal ist, was da musikalisch abläuft.
Zumindest hier (evangelisch) hat man als Kirchenmusiker aber auch als D/C/B/A Oegelspieler einen umfangreichen Teil Liturgie. Ich sehe mich auch direkt in der Verkündigung und der Pfarrer vertraut darauf das ich angemessen Stücke auswähle. Mal übertrieben zum Totensonntag lustige Dinge zu machen sollte man also unterlassen.
Im katholischen musste ich die Pfarrer auch erst einmal erziehen. Da gab es jeden Beitrag vorgegeben, da hatte ich gesagt: Entweder ich entscheide oder ihr sucht einen anderen.
Bei Katholens ist man immer auf die Gnade des Pfarrers angewiesen. Schätzt der Musik, ist alles okay, wenn nicht, hat man ein Problem.
An meiner letzten hauptamtlichen Stelle spielte ich am ersten Fastensonntag Bachs "O Mensch, bewein". Bei einer schon restentleerten Kirche war das für die Kommunionausteilung etwas zu lang. Ich wurde sofort nach der Messe zum Dechant zitiert: - "Wie kommen Sie dazu, so lange zu spielen? Ich habe ja rumgestanden wie ein Idiot." - "Hochwürden, Sie müssen ja nicht rumstehen wie ein Idiot. Nehmen Sie doch Platz und genießen Sie die Musik." - "Pfff...Was war das eigentlich?" - "Es war Bach, Hochwürden." - "Noch viel schlimmer. Das Zeug von dem Typen hört sich ja alles gleich an. Spielen Sie nie wieder Bach in meiner Kirche."
Montag war ich mit dem Kündigungsschreiben im Büro.
Und das Problem ist ein theologisches, das ja schon benannt wurde. Bei der Wandlung macht es "bing" und der Herr steht auf dem Altar. Das passiert ausschließlich durch die geweihten Hände des Pfarrers und ist durch nichts zu toppen. Dann ist es auch herzlich egal, ob dazu georgelt wird. Wenn man Musik als unverzichbaren Bestandteil der Verkündigung sieht, kann man eben nicht sagen, wir machen das ohne Orgel.