Beim Abendmahl im evangelischen Gottesdienst reicht ein Orgelstück meist nicht aus, um die Handlung um den Altar bis zum Ende zu begleiten. Und mir gehen auch die Stücke aus. Könnt ihr mir weiterhelfen mit Tipps für geeignete Musik – einfach, getragen und durchaus auch unauffällig aber trotzdem »schön«. Sie soll ja von der Handliung am Altar nicht ablenken.
Lothar Graap hat einiges an sehr dankbaren Stücken geschrieben, grad wenn man einen hohen Verbrauch hat und die Stücke möglichst "vom Blatt" spielbar sein sollen, ist da einiges dabei....
Es gibt nichts in der Welt, das so wertvoll wäre, wie der Herzensfrieden. ~Franz v. Sales~
Lothar Graap ist mir ein Begriff, habe aber noch nie etwas von ihm gespielt. Ich suche zunächst im Netz nach passenden Beispielen bevor ich mir dann Noten von Graap bestelle. Danke dir für den guten Tipp.
Das Abendmahlverständnis in der ev. Kirche ist ein völlig anderes als in der kath. Kirche. Das Brot des Abendmahls bleibt ein Stück Brot, während sich in der Wandlung in der Eucharistiefeier eine grundsätzliche Veränderung in den Leib Christi vollzieht. Deshalb werden die übriggeblieben Hostien auch im Tabernakel aufbewahrt und nicht, wie in der ev. Kirche, einfach wieder in die "Tüte" gepackt. Die kath. Sakramentslieder sind daher für die ev Kirche unbrauchbar, weil es eben jenes Sakrament nicht gibt. Auch rein instrumental bleibt die Melodie, grade der alten (pseudo-) gregorianischen Gesänge, mit dem Text verbunden. Vielleicht ginge noch "O heilige Seelenspeise", das, je nach Gegend, auf anderen Liedern "Innsbruck" oder "Nun ruhen alle Wälder", beruht. Aber die haben auch nix mit dem Abendmahl zu tun.
Ich finde Literatur beim Abendmahl eher ungeeignet, ich weiß nicht wie lange das Abendmahl dauert und ich weiß nicht wie die Stimmung in dem Moment ist. Wenn Literatur, dann sollte es eher belanglos sein und nicht im Mittelpunkt stehen. Böse gesagt wie Fahrstuhlmusik, die eben da ist aber niemanden interessiert. Nun, will man aber Literatur auf diesem Niveau spielen?
Ich spiele meist eine kleine Improvisation, einen zarten 8" und im Pedal den Subbass. Dann eben ein bisschen meditativ ohne viel schnick schnack begleitet. Früher als ich es noch nicht konnte habe ich von Hermann Wenzel aus dem Album Lyrische Tonstücke gerne mal gespielt. Einfache Lyrische Stücke für das Harmonium, gehen aber auch an der Orgel.
Ich verstehe tatsächlich nicht, warum für eine sinnvolle musikalische Gestaltung das Abendmahlsverständnis diskutiert werden muss. Interessiert das jemanden?
Um für die Sache etwas Nützliches beizusteuern:
Es gibt verschiedene Sammelbände zum Thema: bei Bärenreiter, Hg. Weyer und Butz, Hg. Bretschneider.
Dann bieten sich grundsätzlich die langsamen Sätze aus diversen Orgelsonaten an: Mendelssohn, Rheinberger, Merkel, de Lange usw. Jegliche Choralvorspiele zu passenden Abendmahlsliedern, die ja auch erzevangelisch sein können, z.B. "Schmücke dich, o liebe Seele".
Alles, was im französischen Bereich unter "Communion" läuft: Vierne, Guilmant und etliche "mindere Meister".
Im Prinzip geht ebenfalls alles, was als "Elevation" läuft. Die Sachen sind ja auch katholischerseits kaum noch an der gedachten Stelle zu verwenden. Damit kommen Elevationstoccaten von Frescobaldi oder Froberger in den Blick.
Recht flexibel zu verwenden sind aus dem süddeutschen Barock Arien mit Variationen, z.B. Pachelbels Hexachordum.