1 km Warteschlange vor dem Dom und das nicht, weil der Erdbeerschorsch Woelki predigt.
Anne Lapwood spielt die Orgelfeierstunde heute. Spontan zwei Konzerte, weil der Dom völlig überfüllt ist, und noch tausende auf der Domplatte stehen....
Und? Warst/bist du dort? Sie würd ich unheimlich gern mal live hören... Köln ist halt nicht grad um die Ecke... Ihre nächtlichen Übungs-Sessions find ich cool... Allerdings, wenn ich das bei uns hier machen würde, hätt ich vermutlich bald ein rundes gepolstertes und schalldichtes Zimmer für mich allein.... Leider aber ziemlich sicher ohne Orgel...
Wie ist das bei euch- könntet/dürftet ihr unbehelligt nachts üben?
Es gibt nichts in der Welt, das so wertvoll wäre, wie der Herzensfrieden. ~Franz v. Sales~
Nein, ich war nicht da. Es muss aber Chaotisch gewesen sein. Sie hat das Programm wohl zweimal hintereinander gespielt, damit alle, man spricht von 10.000 Interessierten in den Genuss kamen.
Ich hatte das Vergnügen in Dortmund zu hören. Zufällig weil ich dort eine ehemalige Komilitonin besuchte. Von hier aus sind das ja mal eben 500 km bis Köln.
Obwohl ich in Köln lebe, war ich auch nicht im Konzert. Trotz der Wiederholung des Konzerts sind viele, viele Interessierte nicht hinein gekommen. Laut Bericht des Kölner Stadtanzeigers https://www.ksta.de/koeln/anna-lapwood-k...isation-1065785 passen bis zu 3500 Personen in den Dom, macht bei 2 Konzerten 7000 Personen; die Zahl der Abgewiesenen wird auf bis zu 5000 geschätzt, genau weiß es natürlich niemand.
Und was spielte Anna Lapwood? Überwiegend Filmmusik auf der Orgel bis hin zu "Pirates of the Carribean", aber auch das bei Organisten als Schmachtfetzen verpönte Ave Maria von Bach/Gounod, bei Organisten ebenso meist verpönte Minimal Music (Mad Rush von Phil Glass) und einen organistischen Hit, nämlich die Toccata von Gigout. (siehe: https://www.koelner-dommusik.de/orgeln/orgelfeierstunden) Es kommt wohl doch darauf an, was man auf der Orgel spielt - und auch, wie man sich in der Öffentlichkeit präsentiert, denn Anna Lapwood ist eben auch eine geschickte "Influencerin" in den Sozialen Medien.
Bereits 2004 schrieb Roland Eberlein in "Ars Organi" (https://www.walcker-stiftung.de/Downloads/Liebster_Jesu.pdf): "Warum machen wir es nicht so, wie es die Kunstmusik früher immer machte und wie es die Popularmusik heute noch vorexerziert: Verknüpfen wir die Orgel und ihre Musik mit den Wünschen und Sehnsüchten unserer Zeit. Schreiben und improvisieren wir eine Orgelmusik, die heutige musikalische Vorlieben benutzt um einem musikalischen Gegenentwurf zu unserer Zeit Ausdruck zu geben. Beteiligen wir wieder die Hörer an der Auslese von gelungenen Kompositionen und der Ausscheidung der weniger gelungenen. Adaptieren wir erfolgreiche Musik aus anderen musikalischen Sparten für die Orgel. Lassen wir die heute unfruchtbar gewordene "historische Aufführungspraxis" hinter uns und geben wir der überlieferten Orgelmusik eine Interpretation, mit der sie auf Vorlieben unserer Zeit antwortet. Sorgen wir für einen zu den Wünschen und Bedürfnissen unserer Zeit passenden Veranstaltungsrahmen, in der die Orgel erklingt. Wenn uns dies gelingt, werden die Räume voll sein, unsere Orgel-CDs wird man uns aus den Händen reißen und die Gelder für den Unterhalt von Orgeln und Organisten werden sich beinahe wie von selbst einstellen."
Zitat von Spiritus boni im Beitrag #2 Wie ist das bei euch- könntet/dürftet ihr unbehelligt nachts üben?
In meiner Herkunftsgemeinde: ja. Die ist auf dem Land, die Nachbarn zu weit weg und die Orgel zu schwach, um wirklich zu stören.
In meiner Pfarre in Wien: weiß nicht. Einerseits weiß ich, dass der Organist früher (also vor ca. 2 Jahrzehnten) durchaus spätabends noch geübt hat. Heute ginge das wohl nur mehr mit zarter Registrierung, sonst hätte man nach 22:00 wohl die Polizei auf der Empore bzw. vor der Kirche...
Die Frage ist für mich allerdings höchst theoretisch - ich bin kein Nachtmensch und geistig spätabends so ausgelaugt und müde, dass Üben zu dieser Zeit wohl höchst kontraproduktiv und wenig erbaulich wäre. Ich übe lieber in der Früh als nachts. (Geht berufsbedingt auch selten, aber wenn ich es mir aussuchen könnte.)
Als ich noch hier im Dom war, konnte man dort auch nur abends oder vor Öffnungszeit in der Hauptkirche spielen. Im Remter ging das üben 24/7 was auch der damalige Organist (mein ehemaliger Orgellehrer) täglich mehrere Stunden machte. Außer beim Orgelstimmen, da hatten wir keine Gnade mit den Besuchern. Wenn die Zungen gestimmt werden mussten dann mussten sie gestimmt werden… An die letze Stimmung kann ich mich noch gut erinnern… Eine Stadtführerin kam mehr oder minder unerwartet mit einer riesigen Reisegruppe rein… die hat sich natürlich sehr gefreut als wir sie mit dem hohem Fiepen des frischen Fabrikneuen Krummhorn begrüßten was erst die 2. Stimmung erhielt… . So frech drehte sie noch ihr Mikro auf… Nur gegen eine 16 Fuß Posaune kommt man dann doch eher schwer an. Ich sah sie von der Bank aus böse an, mein Lehrer war ja in der Orgel verschwunden und kam kopfschüttelnd heraus… und sie ist in den Domgarten geflüchtet… Morgens hatte man da noch eher die Chance gehabt, abends waren oft Veranstaltungen gebucht, sei es intern oder extern. Aktuell kommt eh schwer an die Orgeln… aber das ist ne andere Geschichte. Vor Konzerten spielte er aber auch mal die Nacht durch, so wie ich es mitbekommen hatte hat sich nie jemand beschwert auch nicht bei den Hochdrucktuben…
In der Kirche wo ich jetzt immer Unterricht habe kann man 24/7 auch spielen. Alle Register sind von außen nicht zu hören, außer die Trompete und Posaune, aber die muss ja nicht unbedingt ein Bestandteil des Übens sein…