Kurzform: Bis auf das Klopfen des Positivs alles! Weiterlesen soll nur, wer sich für die Langfassung interessiert.
Es sind ursprünglich 5 Fehler vorhanden gewesen:
1.) Großes Es und As hingen im Positiv (man müsste die mir den Fingern zurückziehen, damit der Ton aufhört) 2.) Das ganze Positiv macht Geräusche, wie ein Pistolenschuss (!), wenn die Taste aufgelassen wird 3.) Der HW+Pedal-Schweller soll "nie funktioniert" haben 4.) der Registercrescendo und die drei Schweller sind derart locker / ausgeliefert, dass sie sich SELBSTSTÄNDIG verstellen, teils ohne direkte Berührung 5.) Die Lampen der Streicher / Gospel / Tremulant haben nicht gebrannt, zwei Registerzüge leuchteten nur ganz schwach
Der Fachmann hat Folgendes gemacht:
1.) Mit einer einzigen Handbewegung hat er die beiden hängenden Tasten "geheilt" 2.) Das Klopfen des Positivs konnten wir, trotz fast vollständiger Zerlegung nicht reparieren, dazu später mehr 3.) Das HW+Ped-Schwellpedal konnte mit viel Arbeit, aber problemlos gerichtet werden (die Gegendruckrolle hat sich gelockert, durch den Druck auf die Zahnstange ohne Gegendruck hat sich diese "ausgehängt", deshalb funktionierte der Tritt gar nicht) 4.) Bei allen Tritten (auch bei der "Walze") konnten die "Bremsen" nachgezogen, und somit der Widerstand auf ein sinnvolles Level gehoben werden 5.) Die drei Lampen brennen auf einmal - ganz von alleine?! Ich wollte ihm den Fehler zeigen, und die gingen "Eins A", funktionierten perfekt (Murphys Gesetz ...🙄). Die sehr schwach leuchtenden Registerzüge sind auch kein Problem - da ist die "Reiskorn-Birne" einfach nach hinten gerutscht (also weg von der beschrifteten Oberfläche), deshalb scheint es so, als würden sie schwächer leuchten. Wenn Birnen kurz vorm Ausbrennen stehen, leuchten sie HELLER, als die anderen! Es sei kein Handlungsbedarf gegeben.
Die meiste Arbeit waren die Schwellteitte. Es ist echt ätzend, dass die Schraube, die für mehr Widerstand nachgezogen werden muss, gerade mittig, direkt unter dem jeweiligen Tritt zu finden ist, und diese von vorne auf keine Art (weder von links, noch von rechts) erreichbar ist! Dafür müsste die Orgel hinten geöffnet, jeder einzelner Tritt ausgebaut, und die Schraube der "Bremse" nachgezogen werden! Aber wir haben es geschafft. (Ich half, wo ich konnte)
Die Manuale sind ein besonderer Fall. Er hat schon beim "Wiedereinrenken" der beiden hängenden Tasten gemeint, die müssten UHT sein, denn Fatar-Holzklaviaturen würden völlig anders aussehen. Und beim Uhr ist die Führung Kaschmir (!), diese setzt sich mit der Zeit ab, außerdem Holz arbeitet, während Edelstahl, Acryl und Silikon nicht. Nun hat er mit dieser Bewegung die Tasten wieder "in die Führung gebracht", und sie funktionieren seither tadellos.
Und...in der Tat...in der Orgel befinden sich drei UHT-Vollholzklaviaturen!! 😯
Diese sind quasi in einem Block zusammengeschraubt, ein "Hochklappen" ist nicht vorgesehen und auch nicht möglich. Man muss alles, bis auf die letzte Schraube, zerlegen. Das ist gestern nicht mehr ausgegangen, so brauchen wir hier ab, und bauten das Instrument wieder zusammen.
Das furchtbare Geräusch kommt übrigens nicht von fehlenden, oder ausgeschlagenen Filz - nein, die Tasten klatschen direkt gegen das Brett zwischen 1. und 2. Manual! Dort ist kein Filz, denn ein Kontakt ist gar nicht vorgesehen.
Das Brett wurde offenbar bei einer vorherigen Zerlegung nicht ganz genau wieder montiert, und hängt eben dieses Zehntel Millimeter zu weit nach unten. 😭
Da der Dreierblock UHT absolut bombenfest und an sehr vielen Stellen zusammengeschraubt ist, haben wir davon abgesehen, dieses Problem am Donnerstag anzupacken. Das alleine wäre mindestens ein Tag Arbeit, vor allem das nachherige Zusammenbauen, denn da muss alles wieder Zehntel Millimeter genau montiert werden, sonst funktionieren die Magnet-Druckpunktsimulationen nicht mehr richtig!
Ich habe noch etwas Interessantes erfahren:
Die Orgel ist, entsprechend der Information, die Romanus seinerzeit von Johannus bekam, tatsächlich nicht intonierbar. ABER: es könnte die Möglichkeit bestehen, dass ein EPROM-Baustein gegen einen beschreibbaren ausgetauscht werden kann. Dann würde die Orgel wohl intonierbar sein!!
Dafür notierte der Techniker die Seriennummer, und wird sich dann bei mir melden, wenn es möglich ist. Dies sei "aber nicht billig". Aber es ist sowieso Zukunftsmusik.
Ich habe auch erfahren, dass in dieser Orgel kein billiges Hallgerät, sondern eines von Lexicon (?) eingebaut wurde! 😯 Das war doch damals DIE Top Firma für Hallgeräte, auch in Studios? Also wurde offenbar von allem das Beste verbaut - für die damaligen Verhältnisse.
Da seine Werkstatt in dem Nachbarbezirk sei, hat er gar keine Reisekosten verlangt! Und da es nur Kleinmaterial eingesetzt werden müsste (fehlende Schrauben etc) auch keine Materialkosten! Sein Stundenlohn hat er mit 10.000 Fr. beziffert, was knapp unter 30 € ist, und ich habe es sehr anständig gefunden!
Er hat 4 Stunden gearbeitet, ich habe ihm noch 5.000 Ft. Trinkgeld darauf gegeben, und mich sehr bedankt, weil er so schnell kommen, und die Orgel bis auf das Klopfen des Positives absolut spielbereit machen konnte! 🙏
Für mich war das alles auch sehr aufschlussreich.
Er hat auch kurz Ratschläge bezüglich Klang (Registrierung) in der Kapelle, Hallprogramme und Lautstärke gegeben, nachdem er mir beim Probespiel zugehört hat, und dabei in der leeren Kapelle herumgegangen ist. Die Ratschläge waren wertvoll!
Er kannte mehrere große, mittlerweile verstorbene ungarische Organisten persönlich, und erzählte nebenbei tolle Anekdoten! 😊
Ich musste öfters mit anpacken, denn bei so einer großen Orgel gäbe es viel "vierhändige Arbeit"! 😀
Herzlichen Dank für den ausführlichen Bericht! Es ist toll zu sehen, wie viel Zeit und Mühe du in das Instrument investiert hast. Die besten Wünsche für die Zukunft: Möge die Johannus der Gemeinde noch viele Jahre dienen und mögest du selbst immer mal wieder die Möglichkeit haben, dort Messen musikalisch zu bereichern und/oder ein Konzert zu spielen.