Zitat von Axel im Beitrag #10Es wäre sehr schade, sie dann nicht zu verwenden, weil sie verstimmt sind.
Mich würden eure Erfahrungen zum Zustand der Zungenstimmen in den Orgeln mal interessieren. Abseits der Konzertorgeln sind die meiner Erfahrung nach meistens nicht zu gebrauchen weil sie einfach nie gestimmt werden. Außer mal alle vier Jahre vom Orgelbauer.
Das hängt völlig vom lokalen Kirchenmusiker ab, ob die Zungen gestimmt sind oder nicht. Das war wohl schon früher so: Johann Adam Reincken beispielsweise war berühmt dafür, dass die zahlreichen Zungenstimmen "seiner" Orgel in der Katharinenkirche Hamburg immer ausgezeichnet gestimmt waren. Ähnliches habe ich vor Jahrzehnten in Herzberg am Harz erlebt - die Zungenstimmen der Engelhardt-Orgel von 1845 waren in jedem Gottesdienst oder Konzert bestens gestimmt - allerdings war der dortige A-Kirchenmusiker auch gelernter Orgelbauer. In vielen anderen Kirchen beschränkt sich das Nachstimmen der Zungen auf die bestenfalls jährliche Wartung der Orgel durch einen Orgelbauer.
Hier auch sehr unterschiedlich. Zwischen katastrophal und ausgezeichnet. Wenn eine Gemeinde ständig andere Aushilfen heranzieht ist klar, dass die Zungen nicht gestimmt sind. Als Aushilfe bin ich für den Gottesdienst zuständig, den ich bezahlt bekomme. Wenn ich mich da noch an der Orgel zu schaffen mache, bringt mir das im ungünstigsten Fall Kritik ein. Anders liegen die Verhältnisse, wenn das wirklich mein Job und "meine" Orgel ist. Da lege ich immer großen Wert darauf, dass das Instrument in einem Top-Zustand ist.
Bei uns hat ein Orgelsachverständiger mal dafür gesorgt, dass an allen Orgeln zwei unterschiedlich große geschmiedete Stimmeisen nach historischem Vorbild liegen. Mit denen komme ich bisher überall ran. Gelernt habe ich das Stimmen im Orgelunterricht. Und dann habe ich beim Kirchenmusikdirektor gefragt, ob ich das schon alleine tun darf und er meinte, das solle ich gerne tun, weil ich es ja üben müsse. Sprich: Ich durfte schon stimmen, bevor ich meine D-Prüfung abgelegt habe, denn es ist Teil der Prüfung, eine Zungenpfeife zu stimmen. Ob der KMD das aber jeder Person so sagt, oder ob er dazu auch eine Einschätzung getroffen hat, ob ich zu sorglos sein könnte, das weiß ich nicht.
Bei Orgeln, wo ich "nur" zum Üben bin, stimme ich nicht - das sollen gerne die Stammorganisten übernehmen. Beim reinen Üben kann ich über eine leichte Verstimung hinwegsehen. Aber wenn ich eine Zungenstimme brauche für einen Gottesdienst oder einen anderen Auftritt, dann würde ich die auch stimmen. Und an der Orgel, wo ich am häufigsten übe, kümmert sich eh niemand außer mir darum. Da ist das jetzt einfach zu meiner Aufgabe geworden. Aber ich sehe das positiv, weil ich nur durch solche Übung schneller werde. Beim ersten Versuch haben 3 Register fast drei Stunden gedauert, mittlerweile brauche ich nur noch eine Dreiviertelstunde.
Das wär cool, wenn das auch bei uns Teil der Prüfung wäre, ich würde das sehr begrüßen! Wir haben es zwar im Rahmen des Kurses Orgebaukunde probiert, aber die eine Einheit fand ich zu kurz. Ich würde mir das nach wie vor nicht zutrauen.
Wie groß ist dann eigentlich die Gefahr, dass schlimmstenfalls eine solche Zunge in der Windlade landet und dann nicht mehr herausgeholt werden könnte?
Nicht sehr groß, denn dazu müssen 2 Bedingungen zutreffen: 1. Der Keil, mit dem die Zunge festgemacht ist, muss sich lösen, und 2. das Fußloch des Stiefels muss weiter sein als die Zunge breit ist. Ein so weites Fußloch ist bezüglich des Windbedarfs unsinnig groß und dürfte nur selten vorhanden sein.
Meine Sorge wäre eher, dass ich nicht höre, wann die Pfeife wirklich "ihren" Ton erreicht hat. Ich hör immer sehr konzentriert mit, wenn gestimmt wird (ich bin die, die brav die Tasten drückt), aber nicht immer versteh ich, warum der Stimmer schon weiter geht oder aber umgekehrt, warum er noch weiterstimmt.
Zitat von Fili im Beitrag #19Meine Sorge wäre eher, dass ich nicht höre, wann die Pfeife wirklich "ihren" Ton erreicht hat. Ich hör immer sehr konzentriert mit, wenn gestimmt wird (ich bin die, die brav die Tasten drückt), aber nicht immer versteh ich, warum der Stimmer schon weiter geht oder aber umgekehrt, warum er noch weiterstimmt.
Aus meiner Sicht ist das ein Geschwindigkeits”problem”. Wenn die Pfeife exakt stimmt, gibt es keine Schwebung mehr. Das ist dieses leichte Leiern, was man hören kann, wenn die Pfeife noch nicht ganz stimmt. Das wird, je besser die Stimmung passt, immer langsamer. Ich brauche gegenüber den hauptberuflichen Organisten eine halbe bis ganze Sekunde länger, bis ich mir sicher bin, dass es nicht mehr schwebt. Lieber lausche ich einen Moment länger, als sinnlos auf die Krücke zu klopfen. Die Hauptamtlichen entscheiden das Dank ihrer Erfahrung schlicht schneller. Ich behaupte, dass das der Grund ist, wieso es dir nicht klar ist, warum sie (nicht) weiterstimmen: Du bräuchtest auch noch ne Sekunde mehr für die Entscheidung.