Zitat von SCH im Beitrag #3Das ist für Bruckner aber sehr dürftige Musik. Oder sind das Stücke zum Lernen?
In WAB online steht zu add 334: "Laut Louis Dité aus einem Präludienbuch Bruckners. Die Autorschaft ist jedoch äußerst zweifelhaft." Siehe: http://www.bruckner-online.at/?page_id=1588 Entsprechend wird es im WAB unter "Falsa" geführt! Im übrigen muss man in Bruckners Werken unterscheiden zwischen solchen, die vor ca. 1863 entstanden sind - das sind nahezu alle Orgelwerke! - und denen, die nach 1863 entstanden sind. Noch am 7.9.1862 schrieb Bruckner an seinen Freund Weinwurm, nachdem er um Kompositionen als Belege für eine Bewerbung gebeten worden war: Mit "Compositionen kann ich nicht ausrücken, da ich noch studiren muß. [...] Später, künftiges Jahr werde ich wol fleißig componiren. Jetzt sind's größtentheils nur Schularbeiten. In 3-4 Monaten bin ich fertig." Im Juni 1863 war Bruckner tatsächlich 'fertig' und erhielt auf eigenes Drängen am 10. Juni den 'Freispruch' des Lehrers, d.h. die offiziell ausgesprochene Versicherung, das Lernziel erreicht zu haben. (Zitiert nach Artikel "Bruckner" in MGG). Von da ab hat Bruckner völlig anders komponiert, nämlich eigene Musik! Das "Perger Präludium" ist bezeichnenderweise 1884 entstanden.
Liebe Bartpfeife, vielen Dank für Deine Ausführungen. So kam es mir auch vor, als ich die Stückchen angesehen habe. Also tatsächlich Übungen von Bruckner zum lernen. Wenn ich sehen auf das Zitat, wollte Bruckner das dann eigentlich gar nicht veröffentlichen oder weitergeben. Interessant
War es nicht auch Bruckner der einige Veröffentlichungen zu Lebzeiten nicht fertig bekommen hatte, die dann aber von dritten noch fertiggestellt und veröffentlicht wurden?
Soviel ich weiß, hat Bruckner bis zu seinem Tod intensiv an seiner 9. Symphonie gearbeitet, deren letzter Satz aber unvollendet blieb. Es gibt spätere Vervollständigungen dieses Satzes.
Zitat von Klangpost im Beitrag #7Bei Anton Bruckner gefällt mir eigentlich für die Orgel direkt von ihm nur das Perger Praeludium. Das ist klanglich sehr schön und meiner Meinung nach auch ein ausgezeichnetes Lehrstück für den Einsatz des Crescendo/Schweller. Leider lässt es sich auf vielen kleinen Orgeln ohne Spielhilfen kaum schön darstellen als Solo Spiel.
Der Bruckner-Interpret Gerd Schaller hat das 1847 offensichtlich als Schülerarbeit entstandene Vorspiel mit Fuge c-moll WAB 131 stark überarbeitet und an der Hauptorgel der Abteikirche Ebrach eingespielt. In dieser Überarbeitung ist das Stück gar nicht so schlecht, es erinnert im Stil an Mendelssohns Orgelwerke. Es gibt auf Youtube ein Video mit dieser Einspielung, dazu sieht man die ursprünglichen Noten in der Ausgabe von 1928, so dass man die Veränderungen und Anreicherungen durch Schaller bemerken kann:
Ich kann nur beipflichten - SO macht das Stück schon Sinn... Sicher wollen einige hier diese Version ansehen / lernen. Gibt es Noten zu der Bearbeitung?
Vermutlich wird man sich an Gerd Schaller wenden müssen, um die Noten der Bearbeitung zu erhalten. Er hat eine eigene Website www.gerd-schaller.de, da ist eine Kontaktadresse angegeben.
Zitat von jenoe im Beitrag #17Ich kann nur beipflichten - SO macht das Stück schon Sinn... Sicher wollen einige hier diese Version ansehen / lernen. Gibt es Noten zu der Bearbeitung?
Vielen Dank für den Hinweis! Einspielungen von WAB 131 durch Martin Haselböck und etliche andere Organisten bringen tatsächlich die gleiche Fassung zu Gehör, wie ich jetzt beobachte. Dass diese Fassung ein Pseudo-Bruckner ist und in erheblichem Maße auf Haselböck zurück geht, darauf wird aber kaum hingewiesen, zumindest auf Youtube. Dass ist schon ein wenig bedenklich, denn dadurch wird leider auch ein falsches Bild von Bruckner verbreitet. Zum historischen Bruckner gehört eben auch, dass er sehr lange schülerhafte Arbeiten produzierte und sich selbst auch als Schüler verstanden hat, und dass er erst spät zu dem gefeierten Musiker wurde, den wir heute mit dem Namen Bruckner verbinden.