Unabhängig von der Edition wäre bei diesem Stück auch die Frage interessant, ob die 1/16-Sextolen im Manual in den Takten 9 und 10 "wörtlich" - also streng metrisch - zu nehmen oder einfach als ein ausnotierter Triller aufzufassen und daher frei zu spielen sind.
Zitat von Romanus im Beitrag #11Unabhängig von der Edition wäre bei diesem Stück auch die Frage interessant, ob die 1/16-Sextolen im Manual in den Takten 9 und 10 "wörtlich" - also streng metrisch - zu nehmen oder einfach als ein ausnotierter Triller aufzufassen und daher frei zu spielen sind.
Ich spiele oft spontan beide Versionen, wobei Axel richtig liegt, dass man den Triller auch metrisch unterbringen muss, was nur dann geht, wenn man ihn so anlegt, dass man ihn exakt zu den Pedaltönen setzt. Mit etwas Agogik und Artikulieren vor und etwas "Schwere" zu den Pedaltönen ist es als 32tel-Triller machbar und hinzubekommen. Aber wie SCH auch richtig erwähnt, ist es gewiss als 6Tole notiert...., der Rest ist vielleicht etwas musikalische Freiheit, im Barock ja nicht unüblich -:)
Eine andere Frage: Das Stück enthält in Takt 122 den im 17. Jahrhundert äußerst seltenen Ton Cis im Pedal; der Ton ist Teil des Themas und kann daher nicht einfach oktaviert werden. Wie spielt man diese Stelle auf Orgeln dieser Zeit, die kaum jemals den Ton Cis im Pedal besitzen?
Ja, das geht - ich habe inzwischen eine Aufnahme des Stücks von Ulrik Spang-Hanssen auf der Schnitger-Orgel in Norden daraufhin überprüft, und er löst das Problem genau so. Natürlich ist der Witz dieser Stelle dahin. Sollte die Orgel einen 32' haben, könnte man den für diese Thema-Durchführung dazu ziehen, um den Witz beizubehalten, aber das ist wohl nur in Hamburg St. Jacobi möglich. Man fragt sich natürlich, wieso Buxtehude die Stelle so geschrieben hat, wenn sie auf kaum einer Orgel seiner Zeit so spielbar war.
Es gibt die Theorie, dass diese aufgeschriebenen Stücke kaum praktische Verwendung fanden, weil man eher improvisiert hat. Die notierten Stücke sind dann Muster für den Unterricht. Die andere Theorie ist, dass man die Sachen zu Hause auf einem Pedalcembalo gespielt hat, das möglicherweise die Töne besaß.
Überzeugt mich auch nicht. Die erste These ist intern inkonsistent: Wenn die Kompositionen Muster gewesen wären für den Orgelimprovisationsunterricht, dann wären sie ganz schlechte Muster gewesen, weil sie die damals normalerweise für Orgelimprovisationen gegebenen Beschränkungen hinsichtlich der Klaviaturen und der verwendbaren Akkorde nicht einhalten. Und die zweite These lässt sich anhand der Notenhandschriften widerlegen: Diese enthalten bei Werken von Tunder, Bruhns und Lübeck Manualanweisungen mit den Worten „Orgl“ oder „Org:“ oder „O“ (= Orgel) und „Rückpositiv“ oder „Rüg:“oder „R“ (= Rückpositiv). Noch deutlicher kann man es doch gar nicht machen, dass diese Stücke auf der Orgel auszuführen sind.