Zitat von Bartpfeife im Beitrag #20... Das Weihnachtsoratorium beginnt nun einmal nicht mit den Worten "Tönet ihr Pauken, erschallet Trompeten" sondern mit den Worten "Jauchzet, frohlocket, auf preiset die Tage". Das zu ändern, ist genau so, als würde man in Beethovens 5. Sinfonie das eröffnende "Dadada daa" durch irgend etwas anderes ersetzen - das geht einfach nicht! ...
und sie (dr)geht doch - sogar sehr gut - und das ganz ohne "Deine" Erlaubnis 😘
eventuell auch mit Dadaismus (nicht alles was so stark hinkt - ist ein Vergleich)
Mich öden allmählich diese nutzlosen Streitereien über den Textanfang des Eingangschors zum Weihnachtsorarium an. Aus zwei Gründen:
Romanus hat nach einer Orgeltranskription des Stückes im Ganzen gefragt. Der Orgel ist es ziemlich egal, welchen Titel das Stück in einer Druck- oder Online-Ausgabe trägt. Und auch den Hörern einer LIVE-Aufführung dürfte es ziemlich wurscht sein, egal ob diese den textlichen Hintergrund kennen oder nicht; die Zuhörer empfinden dabei weihnachtliche Gefühle.
Wichtiger aber ist mein zweiter Hinweis: Bach hat nicht nur im Weihnachtsoratorum, sondern in seinem Kantaten-Schaffen, sogar in der h-moll-Messe, Gebrauch gemacht von dem, was man in der Musikwissenschaft Kontrafaktur bzw. Parodieverfahren nennt: die Umtextierung eines ursprünglich im Original weltlichen Textes in einen geistlichen, verbunden mit der Unterlegung unter die ursprünglich komponierte Musik. Das kam recht häufig vor. Modern gesprochen war das eine Art "Recycling", aus unterschiedlichen Gründen, manchmal nur wegen Zeitknappheit, manchmal auch aus Wertschätzung für die Musik, die ursprünglich erklungen war. Aufgefallen dabei ist mir, dass Bach immer nur in einer Richtung umtextiert hat bzw. umtextieren ließ: Aus dem weltlichen Text (meist eine Huldigungskantate an einen Adligen, eine Trauungsmusik oder eine sonstige Glückwunschkantate) wurde ein geistlicher Text geformt. Umgekehrt nie: War ein Text an den Allerhöchsten oben im Himmel gerichtet, wurde Text und Musik nie "degradiert" für einen weltlichen Machthaber. Aus diesem Verfahren kann man keinerlei Schlüsse ziehen auf die Wertigkeit der Musik dazu. Bach hat das einfach für adäquat gehalten. Da gibt es nichts zu verbessern oder gar rückzutransponieren.