Vorgestern haben wir das Fest der Taufe des Herrn begangen, das seit dem 2. Vatikanischen Konzil als das Ende der Weihnachtszeit gilt: Jesus ist also ca. 30 Jahre alt (das ging ja schnell, denn am 6 Jänner war er noch ein Baby) und sucht Johannes den Täufer auf, um sich von ihm im Jordan taufen zu lassen. Diese Szene hat also nichts weihnachtliches mehr an sich, denn Jesus ist längst erwachsen.
Aber ca. 3 Wochen später, am 2. Februar feiern wir das Fest der Darstellung des Herrn: Wir springen also in der Zeit wieder knapp 30 Jahre zurück, Jesus ist plötzlich wieder ein Baby und wird im Tempel dem Ritual der Beschneidung unterzogen. Nachdem das laut Bibel 8 Tage (und nicht 3 Wochen) nach der Geburt passiert, ist also bei diesem Fest (vom Gefühl her) eigentlich noch Weihnachtszeit, obwohl sie (laut dem 2. Vatikanischen Konzil) schon lange vorbei ist. Tatsächlich galt vor dem 2. Vatikanischen Konzil der 2. Februar als das Ende der Weihnachtszeit.
🤔 Ist das nicht entsetzlich unlogisch und verwirrend ? Wäre es nicht logischer, diese beiden Feste zu vertauschen, also am Sonntag nach dem 6. Jänner (oder noch besser am 2. Jänner, also 8 Tage nach der Geburt) die Darstellung des Herrn zu feiern und dafür am 2. Februar die Taufe des Herrn ? Sorry, wenn das jetzt wie eine ketzerische These klingt, aber mir drängt sich dieser Gedanke einfach auf ! Natürlich habe ich nicht Theologie studiert. Was sagen die Theologen oder theologisch Gebildeten unter euch dazu als Erklärung, sodass die liturgische Reihenfolge Sinn macht ?
Darstellung des Herrn ist nicht die Beschneidung. Im traditionellen Judentum erfolgt die Beschneidung 8 Tage nach der Geburt, dann kommt die Reinigung der Frau und danach bzw. 40 Tage nach der Geburt die Weihe des Erstgeborenen (im Tempel). Diese Reihenfolge nennt Lukas in 2, 21-23, was auch ganz der Tora entspricht. Evangelischerseits (jedenfalls lutherisch) unterscheidet man die engere Weihnachtszeit (bis Epifanias am 6.6.) und die weitere, die bis Darstellung des Herrn am 2.2. geht. Wir lassen Christbaum und Krippenfiguren nach wie vor auch bis 2.2. stehen - außer er nadelt zu stark.
Bei Taufe des Herrn geht es darum, dass die Gottessohnschaft Jesu aller Welt bekannt wird, er tritt damit in seine aktive Wirkungsphase ein, die Kindheit und Jugend bzw. die Zeit ist im Verborgenen ist vorbei. Im Nord-GL gibt es im lokalen Anhang Lied GL 748, das in 3 Strophen den Bogen vom Epifanias ("Drei Weise...") über Taufe des Herrn ("Der Täufer...") zur Hochzeit von Kanaa spannt ("Zum Hochzeitsfest..."), die erste öffentliche Tat Jesu sozusagen.
Es gibt ja noch andere Feste, die etwas schräg liegen: Normalerweise setze ich am 5. Fastensonntag GL 532 als Schlusslied auf den Liedplan ("Christi Mutter stand mit Schmerzen" = Stabat Mater), in diesem Jahr aber GL 537 ("Ave Maria, gratia plena"), um auf Verkündigung des Herrn am 25.3. hinzuweisen.
Da liegt ein Missverständnis vor. Das Fest der Beschneidung ist der 1. Januar, Neujahr. Ein anderes Ereignis ist die Darstellung im Tempel: Wie im Wikipedia-Artikel "Darstellung des Herrn" richtig beschrieben wird, findet dieser zweite Aufenthalt im Tempel 40 Tage nach der Geburt eines erstgeborenen Knaben am Ende der Zeit der Unreinheit der Mutter statt. Die kirchlichen Feste bezüglich der Kindheit Jesu orientieren sich an den biblischen Zeitangaben. Andererseits gibt es aber auch wichtige Feste, die sich auf das Leben Jesu als Erwachsener beziehen. Und die hageln dann unvermeidlich zwischen die Feste bezüglich der Kindheit Jesu. Die Taufe Jesu muss natürlich vor der Passionszeit gefeiert werden in angemessenem Abstand - also irgendwann im Januar, mitten zwischen Festen bezüglich der Kindheit Jesu. Läge Ostern irgendwann im Sommer, gäbe es das Problem nicht, aber Ostern ist nun mal terminiert auf den Sonntag nach dem ersten Vollmond im Frühling.
in der katholischen Theologie folgt die Liturgie weniger einer Biographie (wie ein Lebenslauf), sondern einer Theophanie (Gotteserscheinung). Hier ist die Erklärung, warum die Reihenfolge genau so Sinn ergibt:
Das Kirchenjahr will uns nicht einfach nur die Lebensgeschichte Jesu chronologisch erzählen (dafür gibt es die Bibel), sondern es will uns in das Geheimnis der Offenbarung einführen. Nach dem 2. Vatikanischen Konzil bilden Weihnachten, Erscheinung des Herrn (6. Jan.) und die Taufe des Herrn eine theologische Einheit: • Weihnachten: Gott zeigt sich den Hirten (Israel). • Erscheinung (Epiphanie): Gott zeigt sich den Sterndeutern (den Heiden/der Welt). • Taufe des Herrn: Gott zeigt sich als der "geliebte Sohn" durch die Stimme aus dem Himmel und den Geist.
Mit der Taufe endet die Weihnachtszeit, weil hier die Mission Jesu beginnt. Das "Licht", das in Bethlehem aufstrahlte, tritt nun an die Öffentlichkeit.
Du hast völlig recht: Historisch fand das Ereignis 40 Tage nach der Geburt statt (nach jüdischem Gesetz zur Reinigung der Mutter und Darstellung des Erstgeborenen). Aber warum feiern wir es erst, wenn Jesus "liturgisch" schon erwachsen war? • Der 40-Tage-Rhythmus: Das Datum ist fest an den 25. Dezember gebunden. Man kann es nicht vorziehen, ohne das biblische Intervall von 40 Tagen zu verletzen (Levitikus 12). • Das Scharnier-Fest: Das Fest am 2. Februar (Mariä Lichtmess) fungiert als Brücke. Es schaut zurück auf die Krippe ("Das Licht, das die Heiden erleuchtet") und schaut gleichzeitig voraus auf das Leiden Christi. Im Tempel prophezeit Simeon nämlich auch das Leiden: "Dir selbst aber wird ein Schwert durch die Seele dringen."
Dein Vorschlag, die Taufe auf den 2. Februar zu legen, würde ein anderes theologisches Problem schaffen: 1. Die Vorbereitung auf die Fastenzeit: Die Taufe des Herrn ist der Startschuss für das öffentliche Wirken Jesu. Danach hören wir in den Sonntagen im Jahreskreis von seinen Wundern und Predigten, bevor wir in die Fastenzeit eintreten. Würden wir erst im Februar taufen, bliebe kaum Zeit, sein Wirken liturgisch zu entfalten. 2. Die "Verlorene" Weihnachtszeit: Dass der 2. Februar früher das Ende der Weihnachtszeit war, liegt daran, dass man früher den Fokus rein auf die 40 Tage nach der Geburt legte. Die heutige Ordnung trennt jedoch strikt zwischen dem Mysterium der Menschwerdung (bis Taufe des Herrn) und den Festen des Herrn im Jahreskreis.
Man könnte sagen: Die Liturgie ist kein Film, der linear abläuft, sondern eine Ikonen-Ausstellung. • Im Dezember/Januar schauen wir uns die Bilder der Menschwerdung an. • Am 2. Februar hängen wir noch einmal ein "Nachtrag-Bild" auf, das uns daran erinnert, dass dieses Kind von Bethlehem derselbe ist, der sich später für uns opfert.
Es ist also nicht "unlogisch", sondern eine theologische Tiefenstruktur. Die Taufe beendet die "Kindheitserzählungen" und öffnet die Tür zum Erwachsenenleben Jesu, während die Darstellung des Herrn eine Art feierlicher Rückblick und zugleich Ausblick auf Ostern ist.