Heute bekam ich wieder einmal Applaus nach dem Postludium - was nicht selbstverständlich ist - und als ich von der Empore herunterkam und gerade die Tür zusperren wollte, wartete unten ein junges Paar mit einer noch sehr kleinen Tochter (sie ging noch nicht selbständig, sondern wurde getragen) und kam mit der Bitte auf mich zu, dass die Kleine die Orgel einmal aus der Nähe sehen darf. Natürlich nahm ich mir die paar Minuten Zeit und machte mit den Leuten eine Mini-Orgelführung, erklärte die Funktionsweise der Orgel, den Blasebald, die Pfeifen, die Manuale, das Pedal und die Register, Koppeln und den Tremulanten und ließ dabei natürlich auch ein paar Klänge hören.
Ich freue mich immer, wenn auch heute - in Zeiten, in denen andere Religionen (in denen Orgeln keinen Platz haben) "auf dem Vormarsch" sind - noch Menschen Interesse für die Königin der Instrumente zeigen, denn das ist keineswegs selbstverständlich. Außerdem weiß ich aus Erfahrung, dass Kinder und Jugendliche auch gewisse "Schlüsselerlebnisse" brauchen, denn die Begeisterung für ein Instrument entsteht nicht "von selbst", sie wird immer durch entsprechende positive Erlebnisse geweckt, bei mir war es das Harmoniumspiel meines Großvaters zuhause, die Orgelmusik bei den Schulgottesdiensten und natürlich die ersten Orgelplatten (als es noch keine CDs gab) zu Weihnachten und zum Geburtstag, für Kinder und Jugendliche von heute ist es vielleicht eine Messe in meiner Kirche und so eine kleine Orgelführung. Ich finde es gerade in unserer heutigen Zeit wichtig, Menschen für die Königin der Instrumente zu begeistern und sehe darin sogar eine gewisse "Berufung".
Habt ihr auch gelegentlich interessierte Besucher nach euren Gottesdienste, die euch Gelegenheit geben, Interesse für die Orgel zu fördern ?
da unsere Orgel direkt im Eingangsbereich der Kirche steht, kommen regelmäßig Leute am Ende des Gottesdienstes zum "Gucken", meist mit Kindern. Manchmal biete ich auch Orgelführungen im Rahmen von Festen o.ä. an, eine zeitlang hat auch die Kita nebenan mein Angebot an Orgelführungen für Kita-Kinder angenommen.
Ein Junge war dann so begeistert, dass er, als er mutiger wurde, auch während des Gottesdienstes zur Orgel kam, sich neben mich auf die Orgelbank setzte und auch gelegentlich etwas "mitspielte" (also irgendwelche Tasten, meist im Bassbereich drückte). Als dieser Junge dann in der 1. Klasse war, wollte er Orgel lernen. Glücklicherweise hatten wir damals eine pensionierte Kantorin in der Gemeinde, die den Unterricht übernehmen konnte, und ich habe mein Keyboard zum häuslichen Üben zur Verfügung gestellt. Leider wurde dann die Aufenthaltsgenehmigung des Vaters nicht verlängert, weil er nach dem Studium keine Stelle gefunden hat und die Familie, die in unserer Gemeinde sehr gut integriert war, musste zurück nach Nigeria. Da das der erste Orgelschüler fast seit Menschengedenken in der Gemeinde war, war das sehr schade, aber dadurch habe ich jetzt immerhin einen Kontakt nach Nigeria...
Das freut mich! Ich hatte das erst einmal, dass ein Vater mit seinem Jungen rauf zur Empore kam (vor der Messe), weil er das Instrument sehen wollte. Er hat mir während der Messe zugesehen und nach der Messe hab ich auch eine Art Kürzestvorführung gemacht. Leider war keine Gelegenheit, das richtig zu machen, also die verschiedenen Register etwa (nach der Messe gab es im Kirchenraum noch eine Aktion, daher war lautes Spiel nicht passend).
Umgekehrt mache ich im späten Frühjahr eine Instrumentenvorstellung, indem ich den Besuch einer Orgel für eine Schulklasse organisiere. In diesem Fall hat mich motiviert, dass ich besagte Klasse gut kenne. Aber wer weiß, vielleicht entwickelt sich daraus auch was Regelmäßiges.
Es schadet jedenfalls nicht, aktiv junge Leute ans Instrument heranzuführen.
Bei meiner Tätigkeit in kleineren Landgemeinden erhalte ich hie und da spontanen Applaus nach dem Ausgangsstück. Meist fragen dann einige auch, was ich denn gespielt habe, oder positive Rückmeldungen, dass das Orgelspiel gefallen hat. Mehrmals jährlich kommen Eltern mit ihren Kindern nach dem Gottesdienst auf die Empore, um die Orgel zu bestaunen. Dafür nehme ich mir gerne die Zeit.
Letztes Jahr veranstaltete eine Kirchgemeinde einen "Tag der offenen Tür" an einem Freitagabend. Da konnte auch der Kirchturm bestiegen werden. Draussen wurde eine Jurte ausgestellt mit einer kleinen Bar, Tische und Stühle waren auch vorhanden.
Ich stellte mich zur Verfügung, um die Orgel zu erklären, sowie immer wieder kurze Orgelstücke zu spielen. Ich liess Kinder und jugendliche auch selbst mal spielen.
Es war durch und durch ein gelungener Anlass. Einer der Besucher besitzt eine Drehorgel und erstellt das "Lochstreifenpapier" selbst. Leider besitzt er nur geringe Musiktheorie-Kenntnisse. Mittlerweile erstelle ich für ihn Drehorgeltaugliche (22 Pfeifen) mehrstimmige Notensätze und liefere ihm eine midi-Datei. Diese kann er mit einer PC-Software einlesen und an einen "Lochstreifendrucker" weiterleiten. Mittlerweile hat er auch schon Gottesdienste (mit Liedern) mitgestaltet, oder die Pfarrerin in Heime mit seinem fahrbaren "Drehörgeli" begleitet. Viele waren echt begeistert.
P.S. Mittlerweile überlege ich mir einen gemeinsamen Auftritt Orgel - Drehorgel" an einem kirchlichen Anlass..
Zitat von Martin_CH im Beitrag #4Bei meiner Tätigkeit in kleineren Landgemeinden erhalte ich hie und da spontanen Applaus nach dem Ausgangsstück.
am Sonntag habe ich nach der Kirchweih-Andacht "Variazioni brillanti sull'Ave Maria di Lourdes" von Carlotta Ferrari gespielt (wegen des Festtages am 11.2.). Da gab es nicht nur hinterher Applaus, beim Thema und den ersten Variationen haben sogar ein paar Leute aus voller Kehle mitgesungen... ;-)