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Gesuchte Interpretation nach >45 Jahren gefunden ! Aber jetzt klingt sie plötzlich ganz anders.
Es muss ziemlich genau 1980 gewesen sein, es war Advent und im ORF lief täglich kurz vor 19:30 eine Folge des "Licht ins Dunkel"-Adventkalenders, umrahmt von einer "Kennmelodie", die es mir - einem musikbegeisterten, damals 12-jährigen - wahrlich angetan hatte: Ein Stück Barockmusik mit Trompete und das klang für mein Empfinden so unglaulich schön, festlich und edel und vor allem "adventlich", mehr wusste ich damals leider nicht darüber. Dazu war ein großer "Licht ins Dunkel" - Schriftzug in Blockschrift, bestehend aus vielen kleinen Kerzenlichtern auf einem schwarzen Hintergund, zu sehen. Danach wurden andere Bilder gezeigt (z.b. ein Karussell mit kunstvollen Figuren) und andere Musik gespielt und manchmal kleine Gedichte vorgetragen, die mich weniger beeindruckt haben. Abschließend wurde der Schluss des einleitenden Trompetenstückes gespielt.
Ein paar Jahre später konnte ich zumindest das Stück identifizieren: Es war eindeutig die Bourrée aus Bachs 2. Orchestersuite in h-Moll BWV 1067. Aber welche Interpretation war das damals beim "Licht ins Dunkel"-Adventkalender ? Das war jedenfalls nicht die Originalversion, da spielte doch eine Trompete die Melodie. Ich weiß nicht mehr, in wievielen Platten- und später CD-Läden ich danach gefragt habe und natürlich konnte mir niemand sagen, welche Interpretation das damals war. Später habe ich auch in diversen Internet-Foren danach gefragt, auch hier und hier habe ich darüber geschrieben und - wohl um Jahrzehnte zu spät - auch beim ORF angefragt, doch niemand konnte mir darüber Auskunft geben, denn alle dafür zuständigen ORF-Mitarbeiter von 1980 waren inzwischen längst in Pension.
Doch ich gab nicht auf und suchte immer wieder bei YT, wo man ja auch nostalgische Videos und Aufnahmen uralter TV-Sendungen findet und gestern fand ich tatsächlich auf YT eine Folge bzw. eigentlich nur ein Fragment genau dieses "Licht ins Dunkel"-Adventkalenders: Licht ins Dunkel-Adventkalender 12.12.1980
Das war sie also, die Trompetenversion der Bach-Bourrée, nach der ich so lange gesucht hatte. Jetzt wusste ich auch sofort, welche Interpretation das war, denn diese war mir bei meiner YT-Suche auch bereits untergekommen: Eine jazzige Version der Bach-Bourrée, gespielt von Maurice André, dem damaligen "König der Trompete", aus seinem Album Trumpettissimo (1971) in einem Stil ähnlich wie "Play Bach" (Jacques Loussier): Bourrées I & II BWV 1067/4 (Arr.: Jean-Michel Defaye) Aber nie hätte ich mir gedacht, dass das die Version war, nach der ich so lange gesucht hatte, denn ich hätte schwören können, dass die "Licht ins Dunkel"-Musik eine edle, klassische Trompete+Orgel-Version war, so ähnlich wie diese, nur viel schöner !
Ist euch das auch schon passiert, dass ihr etwas ganz genau in Erinnerung hattet (bzw. zu haben glaubtet), es nach vielen Jahren wiedergefunden habt und plötzlich war es ganz anders und nur mehr halb so schön ?
Doch da sind wir bereits bei der nächsten Frage, die mich jetzt neugierig macht: Kennt jemand von euch das feierliche Stück (Trompete+Orgel), das im ORF-Video nach der einleitenden Bach-Bourrée ganz kurz zu hören ist ? Denn das gefällt mir heute viel besser als die lang gesuchte Interpretation der Bourrée.
Zitat von Romanus im Beitrag #1 Doch da sind wir bereits bei der nächsten Frage, die mich jetzt neugierig macht: Kennt jemand von euch das feierliche Stück (Trompete+Orgel), das im ORF-Video nach der einleitenden Bach-Bourrée ganz kurz zu hören ist ? Denn das gefällt mir heute viel besser als die lang gesuchte Interpretation der Bourrée.
Habs über Shazam versucht, aber reagiert leider nicht....
Zitat von Romanus im Beitrag #1Ist euch das auch schon passiert, dass ihr etwas ganz genau in Erinnerung hattet (bzw. zu haben glaubtet), es nach vielen Jahren wiedergefunden habt und plötzlich war es ganz anders und nur mehr halb so schön ?
Aber ja, schon oft und nicht nur mit Musikstücken! Das ist nicht ungewöhnlich. Dort, wo die bewusste Erinnerung versagt, springt eben die Phantasie ein und füllt die Lücken entsprechend und wenn man so ein Advent- und Weihnachtsfreak ist wie du, dann idealisiert man natürlich so gut wie alles, was in diese Zeit fällt. Wenn man vom etwas penetrant scheppernden Schlagzeug einmal absieht, klingt die jazzig angehauchte Version der Bach-Bourrée auch gar nicht schlecht, sie wird natürlich durch das virtuose Trompetenspiel von Maurice André stark aufgewertet.