Ich verstehe unter "klassische Musik" das, was von anderen E-Musik genannt wird. Und ja, durchaus bis heute. Beide Begriffe sind ungenau und problematisch, aber irgendwie muss man sich ja ausdrücken...
Ja, ich spiele gerne auch Arrangements, zB von Filmmusik. Und ich hör sogar Popularmusik ;) (wenngleich ich auch da bisserl in den 80ern und 90ern steckengeblieben bin). Aber ich halte, wie oben geschrieben, viele Wünsche für Trauungen und Taufen weder sinnvoll am Instrument ausführbar noch für Liturgie geeignet. (Ausnahme: Faschingsdienstag.)
Wenn ich mich damit als Dinosaurier oute, dann soll das so sein.
Nein, nicht mit diesen völlig normalen Vorlieben und Ansichten outest Du Dich als Dinosaurier. Zum Dinosaurier wird man, wenn man nicht mehr bereit ist, sich mit der Gegenwart und ihren speziellen Anforderungen (die sich aus den musikalischen Vorlieben der Zeitgenossen ergeben) auseinander zu setzen und von vornherein erklärt, nur für GL und "Klassisches" zur Verfügung zu stehen.
Nun ja, ist Popmusik zeitgenössisch? Kann man hinter eine Entwicklung wie die Abschaffung der Tonalität durch Arnold Schönberg zurück?
Unserer Zeit fehlt eine klare Positionierung zwischen Kunst und Kitsch. Man will ja schließlich keinem auf die Füße treten. Dann zieht man sich auf "alles Geschmackssache" zurück und ist die Diskussion los. Zur Einordnung finde ich "Kunst, Kitsch und Konvention" von Deschner lesenwert. Da geht es um Literatur, aber das ist auf Musik übertragbar.
Das, was an Pop-Songs gewünscht wird, würde man besser auf der Party spielen ("unser Song"), da es in 9 von 10 Fällen keinen Bezug zum Gottesdienst gibt, der ohnehin nur noch für den Fotografen als Kulisse dient. Ich erinnere mich sehr gut, dass das Elend mit dem Film Titanic anfing...
Zitat von Axel im Beitrag #13Nun ja, ist Popmusik zeitgenössisch?
Nicht jede Popmusik, denn die Ursprünge der Popmusik reichen mindestens bis in die 50er-Jahre des 20. Jahrhunderts zurück.
Zitat von Axel im Beitrag #13Kann man hinter eine Entwicklung wie die Abschaffung der Tonalität durch Arnold Schönberg zurück?
Ich spiele auch nicht gern Popsongs auf der Orgel, aus dem einfachen Grund, weil die Kirchenorgel dafür nicht das richtige Instrument ist. Ich finde aber nicht, dass zeitgenössische Musik unbedingt atonal sein muss. Schönberg zählt auch nicht zu meinen persönlichen Favoriten. Kann denn ein Einzelner stellvertretend für alle Musiker überhaupt die Tonalität abschaffen ? An eine solche Abschaffung fühle ich mich jedenfalls auch als klassischer Musiker nicht gebunden.
Anfragen nach Orgelmusik für Hochzeiten lehne ich ab. Natürlich gab es auch schon Ausnahmen, weil ich in einer Band als Bassist in der Kirche mitgespielt und der Einfachheit halber auch einen Choral auf der Orgel begleitet habe.
Beim Beginn des Krieges gegen die Ukraine gab es Wünsche, die ukrainische Nationalhymne auf der Orgel zu spielen. Das habe ich abgelehnt. Dafür habe ich mit dem Song »Leningrad« von Billy Joel reagiert, der bestens auf die Orgel passt. Auch ein Stück von Klaus Doldinger aus dem Film »Die unendliche Geschichte« habe ich schon bei einer Konfirmation beigetragen, das haben wohl nur die Konfirmanden gemerkt ...
Vielleicht als Idee oder Anregung wie ich es so handhabe:
Für Hochzeiten und Taufen stehe ich gerne zur Verfügung und habe eine Liste mit Stücke die ich spiele. Möchte jemand, dass ich spiele dann kann er aus dieser Liste seine Wünsche auswählen. Die Liste umfasst Stücke dir mir gefallen und die ich beiläufig eben spielen kann ohne viel Vorbereitung. Natürlich passen sie auch zu dem Zweck.
Wem meine Auswahl nicht gefällt, der muss sich eben einen anderen suchen, der diese Wünsche umsetzt oder mir ein Angebot machen in Euro pro Stunde für die Vorbereitung.
Bisher läuft das ohne Probleme und die schwierigen Fälle melden sich nicht mehr nach kurzer Erklärung.
500 Euro, wenn man bedenkt, dass es Hochzeitssänger gibt, die das regelmäßig bekommen, auch wenn sie nicht viel können, ist das eigentlich immer noch zu wenig.