Ich lese gerade im Hauptwerkshop über eine Orgelstudie, also eine wissenschaftliche Untersuchung, die von einer Wiener Orgeldozentin durchgeführt wird, die auch dazu dienen soll, sein wahres Potential zu entfalten. Die Teilnahme ist gratis und es werden noch Teilnehmer gesucht, siehe hier !
Ich zitiere aus der Beschreibung auf der HP von Fr. Dr. Pach: "Diese Studie untersucht, wie sich ein gezieltes, neurodidaktisch optimiertes Orgeltraining auf kognitive Fähigkeiten auswirkt — konkret auf Mustererkennung, Arbeitsgedächtnis, kognitive Flexibilität, Dual-Task-Fähigkeit und Aufmerksamkeitssteuerung. Es geht dabei ausdrücklich nicht um Orgelspiel im Allgemeinen, sondern um die Wirkung speziell entwickelter Übungen, die auf neurowissenschaftlichen und lernpsychologischen Erkenntnissen basieren. Gemessen wird mit einer eigens entwickelten kognitiven Aufgabenbatterie in fünf Bereichen."
Das wird wahrscheinlich so gemeint sein, dass das Zoom-Meeting einzeln, also nicht in der Gruppe stattfindet und Fr. Dr. Pach bei der Termineinteilung dafür zeitlich flexibel ist.
vermutlich sind das Einzeltemine mit den Versuchspersonen.
Wir hatten vor Jahren die Idee, Gehirnaktivitäten von Personen, die Orgel spielen mit denen zu vergleichen, die etwa Violine oder Flöte spielen. Nach eingehender Beratung mit Spezialisten für EEG-Studien sind wir davon aber wieder abgekommen, weil die Störeinflüsse nicht zu kontrollieren gewesen wären. Inwiefern mit einer online-Studie via Videokonferenz Auswirkungen aufs Gehirn untersucht werden können, erschließt sich mir erst einmal nicht. Man kann zwar irgendwelche Übungen in einer Videokonferenz durchführen, aber eine valide Messung von Effekten stelle ich mir ziemlich schwierig vor. Das gilt schon, weil kurzfristige Interventionen eher keine Wirkungen haben werden, andererseit Übungen außerhalb der Videokonferenzen (was die Leute zwischen 2 Terminen selbst tun) nicht kontrolliert werden können. Zum anderen müsste man ja irgendwie die Effekte messen (Übungserfolg), wenn man nicht nur die Selbsteinschätzungen der Versuchspersonen erheben möchte. Online kann man das aber kaum, man kann bestenfalls klassische Leistungstests durchführen.
Auf der Homepage von Andrea Pach habe ich eine Publikation gefunden, die mit dem Thema zu tun haben könnte ("Spirale der Sinne. Orgel versus Klavier im Spiegel der Neuroplastizität und der Wirkung fraktaler Muster auf unser Gehirn"). Das scheint alles theoretisch nach Pausibilitätskriterien aus der Literatur abgeleitet zu sein, eine empirische Studie liegt anscheinend nicht zugrunde. Vielleicht möchte sie das jetzt nachholen? Ihre Disseration hat sie über Leben und Werk von Karl Walter geschrieben, also historisch-musikwissenschaftlich, nicht im Bereich der Psychologie oder Neurowissenschaften.