Ich konnte vor kurzem in Erfahrung bringen, dass die "Hencke-Orgel" aus Wullersdorf/NÖ bzw. der Heimatpfarre des Wiener Erzbischofs J. Grünwidl, nur bedingt als "Hencke-Orgel" bezeichnet werden dürfte:
Nach einem Gutachten von OBM Ferdinand Salomon stammen weder das Gehäuse noch die Windlade dieser Orgel von Johann Hencke/Wien. Denn wäre diese Orgel von Hencke gefertigt worden, hätte er entweder den Prospekt für die vorhandene Windlade gebaut oder die Windlade für den vorhandenen Prospekt gebaut.
Hier scheinen mehrere Komponenten aus verschiedenen Orgeln zusammengefügt worden zu sein, nur 5(!) Pfeifen sollen lt. dem dortigen Organisten tatsächlich von J. Hencke stammen. Auch wenn es sich lt. G. Holzer um eine "Hencke-Orgel" handeln sollte, so hatte dieser beim Neubau dieser Orgel ein bereits (vorher) vorhandenes Rückpositiv mitzuverwenden, was deutlich älter als die Hencke-Orgel sein dürfte. Mit hoher Wahrscheinlichkeit stammt dieses Positiv von der Filialkirche St. Peter am Stein bei Mittergrabern, Bezirk Hollabrunn. Diese Kirche soll lt. Chronik von Mittergrabern in der Zeit von Kaiser Josef II. geschlossen worden sein und wurde später abgetragen. Hinzu kommen nach diverse Um- und Zubauten: zB wurde das Pedal von kurzer Oktave (C-a°) auf C-d' durch Ullmann erweitert. Weiters wurden durch Ullmann einige Register hinzugefügt, die an den runden Registerzügen erkennbar sind.
Ganz anders stellt sich die Orgel aus Maria Kirchbüchl dar, die als weitgehend original erhaltene Hencke-Orgel anzusehen ist und auch regelmäßig durch Allgäuer, der nur wenige Kilometer entfernt wohnt, servisiert wird.
Wullersdorf als Melker Stiftspfarre, derzeit von den Göttweiger Patres aus Maria Roggendorf seelsorglich betreut, ist ca. 12 km von meinem ehemaligen Heimatort entfernt und ich hatte ca. vor 1 Jahr die Gelegenheit, dort Samstag abends eine Abendmesse zu spielen. So habe ich einen direkten Vergleich, als ich in Maria Kirchbüchl auch einige Male bereits die Monatswallfahrten begleitete.