Vielleicht kein typisches Orgel-Thema, aber ich schreibe es trotzdem mal auf. Wenn eine Gemeinde gemeinsam das Vater unser oder das Glaubensbekenntnis spricht, entsteht dabei m. E. quasi von selbst ein Sprechrhythmus, dem sich gewöhnlich alle freiwillig anpassen. Ich erlebe gerade wieder, dass Vorbeter oder der Pfarrer selber diesen Sprechrhythmus verlangsamen wollen, indem sie grundsätzlich langsamer hinterhersprechen, "idealerweise" durch das Mikro. Vielleicht steht dahinter die Idee, die Gemeinde zum bewussteren Sprechen anzuhalten. Für mich als Organist entstehen da Aggressionen, weil mir das rhythmisch zuwider ist und ich es als Gängelei der Gläubigen empfinde. Die Texte sind ja bekannt, und jeder der will, kann auch im normalen Tempo andächtig beten. So stellt sich die Frage, wie man den Verantwortlichen klar machen kann, dass sie sich da auf Ego-Trip befinden und der Gemeinde durch die vielleicht gut gemeinte Hilfe im schlimmsten Fall schaden. Oder irre ich mich da vielleicht? Grüße Alfred
Ich verstehe den Frust, weil ich mich oft über Lektoren aufrege, die anscheinend Texte vorlesen, ohne die vorher mal gelesen zu haben - also kein Satz ohne Versprecher. Mein Tipp: Ich würde mich raushalten. Man weiß nie, was das auslöst. Die Geistlichkeit ist ja manchmal empfindlich.
Also wir haben da sehr Laute Damen, die dem von Natur aus langsamer sprechenden Priester die Geschwindigkeit vorgeben, so dass der nicht mal atmen kann dazwischen. Das ärgert mich mehr. Einmal ein Gastpriester über 90, einer über 80- die muss ich doch echt nicht durch den Text hetzen!
Es gibt nichts in der Welt, das so wertvoll wäre, wie der Herzensfrieden. ~Franz v. Sales~
da ich nicht weiß, wie schnell denn nun in dem komkreten Fall gebetet wird, kann ich dazu nichts sagen. Das Tempo sollte grundsätzlich so sein, dass nicht gehetzt wird und die meisten Gottesdienstbesucher gut folgen können (auch solche mit nichtdeutscher Muttersprache!). Mit dem Sprechtempo bei uns bin ich ganz zufrieden, würde mich aber auch im anderen Falle nicht sofort direkt einmischen, sondern einmal Freunde oder Bekannte nach deren Meinung fragen.
Ich habe aber in Süddeutschland auch schon Rosenkranzgebete erlebt, die vor dem Gottesdienst stattfanden. Dort ging es anscheinend darum, ins "Guiness' Buch der Rekorde" zu kommen, denn auf Speed werden die älteren Damen ja nicht gewesen sein. Aber vielleicht empfinden die das ja als meditativ, die "Vater unser" und "Ave Maria" so schnell runterzurattern. ;-)
Übrigens hat mich einmal eine ältere Dame darauf aufmerksam gemacht, dass ich die Psalmen manchmal zu schnell vorsinge, so dass sie inhaltlich nicht mitkomme. Ich habe das geprüft und dann tatsächlich das Tempo etwas reduziert.
Naja, ich vermute, die Ave Maria so schnell, weil sie sich sonst nicht merken, beim wievielten sie jetzt sind, bzw ob sie jetzt schon eine Perle weiter sind oder nicht...🫣duck und weg...
Es gibt nichts in der Welt, das so wertvoll wäre, wie der Herzensfrieden. ~Franz v. Sales~
Herzlichen Dank für die vielen Einschätzungen! Eine Sache würde mich interessieren, weil ich eben nicht weiß, ob das wirklich stimmt: Ist es so, dass sich beim gemeinsamen Sprechen / Beten einer größeren* Gruppe unbewusst ein Grundtempo einstellt, an das sich alle halten? (Es müssen ja nicht die Massen im Fußballstadion sein, bei denen man das vielleicht studieren könnte.) *) die Gruppe darf nat. keine "Leittiere" haben, die das Tempo vorgeben - interessant wäre auch zu wissen, ab welcher Gruppenstärke sowas eintritt. Andrerseits dürfte es schwierig sein, Erkenntnisse aus der Massenpsychologie auf einen Gottesdienst zu übertragen... Grüße Alfred
Ich glaub, am ehesten findest du solche Gruppen in Klöstern, wo sich alle eher zurücknehmen, anstatt den Ton anzugeben.... Aber vielleicht irre ich mich...
Es gibt nichts in der Welt, das so wertvoll wäre, wie der Herzensfrieden. ~Franz v. Sales~
Nach meiner Erfahrung gibt es immer Leittiere. Das heißt nicht, dass diese das so wollen oder bewusst "machen", aber es findet immer eine Art (unbewusster) Anpassung statt - die, an die sich andere anpassen, sind die "Leittiere".
Mich stört es nicht, wenn Leute etwa beim Rosenkranzgebet vor der Messe im eigenen Tempo beten. Im Messkontext, wenn der Priester über Mikro verstärkt wird, halte ich es allerdings für logisch, dass er so was wie der Pulsgeber ist.
Habe gerade die KI befragt - macht man heutzutage angeblich so -... Die meint, es entstehe ein gemeinsamer Rhythmus und hat mir zur Erläuterung Stichworte genannt wie Entrainment (Phasenankopplung), akustisches Feedback, inhärente Rhythmen bei Sprache, Spiegelneuronen, Konformitätsdruck usw.... (Ich bin allerdings froh, dass die KI sich bei der Antwortsuche wohl nicht in den vatikanischen Archiven eingehackt hat, Gott sei Dank!)