Eine der einträglicheren Geschäftsideen war wohl die Installation der Liedanzeiger, besonders in den katholischen Kirchen. Inzwischen sind die Teile in die Jahre gekommen und helfen nicht sonderlich, wenn man aus verschiedenen Liederbüchern singen will oder soll. Über die Daseinsberechtigung eines Liedanzeigers und die Erlebnisse bei der Bedienung steht ja schon einiges im Forum.
Unsere Überlegung in der Kirchengemeinde war, ob man sowas auch (kostengünstig) selbst bauen kann.
Viele IT-Interessierte experimentieren mit Mikroprozessoren wie z. B, den Arduinos und es gibt zahllose Hilfen für deren Programmierung im Internet. Da man als Organist nicht zwangsweise in C++ programmiert, war in dem Bereich etwas Weiterbildung angesagt. Der Organisten-Kollege der Nachbargemeinde, ein IT-Fachmann, hat uns glücklicherweise beratend unterstützt. Keine Frage, dass das Orgel Üben darunter litt.
Was braucht man für die Lied-Anzeige? Einmal ein Kästchen mit Tastatur und einem Display (wie man es oft schon in IT- Experimentierkästen findet, Bild), um die Ziffern bzw. Buchstaben für die Lieder einzugeben und den Prozessor darin zu "füttern". Der schickt dann die Zeichenfolge (über Kabel oder Funk) weiter an die Anzeigetafel (Bild) vorne bzw. den Prozessor darin. Dieser aktiviert danach die entsprechenden Pixel-LEDs für die Zahlen im Display.
Welche Anzeige? Wir erinnerten uns an die Lauflicht-Panels, die man z. B. manchmal in Auto-Heckscheiben "bewundern" kann. Die gibt es erfreulicherweise auch quadratisch, z. B. mit 32 x 32 LEDs und ca. 20x20 Größe cm, was für unsere Kirchen ausreicht. (Inzwischen auch besser auflösende Panels mit 64x64 LEDs.) Wir wollten keinen Flachbildschirm aufstellen, der plötzlich das Frühstücksfernsehen zeigt.... Genial ist, dass manche Vertreiber der Panels gleich Beispiele für die dazugehörige Mikroprozessor-Programmierung ins Netz stellen. Es gibt auch zuhauf fähige Programmierer, die den Quellcode ihrer Programme z.B. bei GitHub veröffentlichen, für alles, was wir brauchten: z.B. Tastatureingabe, LED-Anzeige, serielle Verbindung der bd. Prozessoren und mehr.
Unsere Bastellösungen kann man nicht mit den Systemen professioneller Anbieter vergleichen, die ausgereifter und komfortabler sind. Es soll hier nicht für eine neue Geschäftsidee "Dumping-Liedanzeiger" geworben werden. Da kaum Materialkosten anfielen, konnten wir die Anzeigen der Kirchengemeinde schenken. Auf den Bildern sind unsere "Erstlingswerke", die gewinnen keinen Designpreis. "Open Source" wären unsere gemachten Erfahrungen. Die Anzeigen haben wir in den Gottesdiensten im Einsatz. Wenn wir das Buch Erdentäne-Himmelsklang benutzen, erscheint bei diesen Liedern durch Ziffern-Eingabe zusätzlich ein blaues ET. (Bild) Die Geräte kommen alle mit 5 Volt Betriebsspannung und quasi einem Handy-Netzteil aus. Man braucht also den Einwand, dass man sich beim Experimentieren mit Strom Gefahren aussetzt, nicht zu fürchten. Wobei die Frage nicht geklärt ist, ob man die Panels überhaupt aufhängen darf. Immerhin gaben der Kirchengemeinderat und der Pfarrer ihr O. K. - und unsere Kirchen sind nicht gerade im Fokus des Denkmalschutzes.
Inzwischen haben wir in zwei weiteren Kirchen unseres Verbunds ebenfalls Anzeigen mit Funkverbindung (und anderen Mikroprozessoren) programmiert und installiert. Ein Organisten-Kollege hat die Gehäuse dazu mit seinem 3D-Drucker erstellt.
Vielleicht sollten wir ab und zu wieder ein Lied aus Erdentöne-Himmelsklang singen, damit die neuen Bastel-Liedanzeiger ihre Existenz legitimieren. Die alten "Verfolgerscheinwerfer-Liedanzeiger" haben wir natürlich stehen lassen, für alle Fälle...
Der Begriff ist wohl etwas überzogen. Es handelt sich um Geräte die so aussehen, wie der 1957 von Josef Leibold geschaffene Liedanzeiger (Bild). Bei uns hakt die Mechanik schon etwas, man muss die Zahlen über vier Räder einstellen. Angeblich gibt's aber dazu immer noch Ersatzteile.
Alfred
hat folgende Bilder an diesen Beitrag angehängt
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