Ein später Bach, der aufgrund seines ernsten Charakters gut in die Fasten- und Passionszeit passt, aufgenommen mit dem Klang der größten 2-manualigen Gottfried Silbermann-Orgel, mit dem Freiberg-Sampleset von Sonus Paradisi:
Ich wusste, dass diese Kritik kommen würde. Ich finde aber, dass die Basstimme bei diesem Stück eine sehr untergeordnete Funktion hat, da gibt es lange Orgelpunkte, die sich teilweise auf bis zu 10 Takte erstrecken, der Orgelpunkt, der gleich am Beginn fast 8 Takte lang andauert, ist in meinen Augen eine reine "Grundierung", mehr nicht. Wenn man diese Basstimme mit Pedalkoppel und vielleicht noch mit einer Zunge dick registriert, "erdrückt" der lange Basston die Oberstimmen, zumindest empfinde ich das so. Die Pedalprinzipale 16´+8´ der Silbermann-Orgel und der später hinzugezogene "Groß Untersatz 32′ " haben auch in dieser sparsamen Registrierung immer noch genug Gravität, um das Plenum der Manuale zu tragen, ohne dabei die raffinierten, in ihrer "klagenden Schönheit" genialen Oberstimmen und die 1/16-Läufe in der letzten Zeile zu verdecken. Zumindest empfinde ich das so. Es gibt viele Organisten und daher viele Interpretationen dieses Stückes, es lebe die Vielfalt, du kannst es ja gern mal selbst mit deiner Registrierung einspielen und hier präsentieren.
🧐 Da fällt mir übrigens auf, dass das Pedal eigentlich in fast allen Gottfried Silbermann-Dispositionen (mit Ausnahme der ganz großen, 3-manualigen Orgeln im Freiberger Dom und der Dresdener Hofkirche) "unterbesetzt" ist. Falsche Sparsamkeit ? Ich glaube, der gute, alte Gottfried wird sich schon was dabei gedacht haben.
Zitat von Romanus im Beitrag #264 🧐 Da fällt mir übrigens auf, dass das Pedal eigentlich in fast allen Gottfried Silbermann-Dispositionen (mit Ausnahme der ganz großen, 3-manualigen Orgeln im Freiberger Dom und der Dresdener Hofkirche) "unterbesetzt" ist. Falsche Sparsamkeit ? Ich glaube, der gute, alte Gottfried wird sich schon was dabei gedacht haben.
Genau, er hat das Pedal in den kleineren Orgeln mit eigenen Ventilen in der Hauptmanualwindlade versehen, so dass das Pedal immer auch die entsprechenden Töne auf dem Hauptwerk betätigt, egal was dort registriert sein mag. Erst später wurde in den meisten Orgeln diese ständige Koppel I/P abstellbar gemacht. (In Freiberg, Petrikirche, hat Silbermann allerdings die Pedalventile der Hauptwerkslade in einen eigenen, hinteren Windkasten gesetzt und die Windzufuhr zu diesem Windkasten absperrbar gemacht mit dem sogenannten "Bassventil", das die Koppel I/P abstellt.) Weil das Pedal normalerweise immer zusammen mit dem Hauptwerk erklang, brauchte es lediglich 16'-Register, um die Tonlage dem Pedal entsprechend zu machen, und eventuell eine 8'-Trompete für den Cantus firmus im Pedal.
Das darf in meiner Pfarrkirche an keinem Palmsonntag fehlen: Meine selbstkomponierte Intrade zu GL 280 (Singt dem König Freudenpsalmen), wie ich sie auch heute wieder zum festlichen Einzug gespielt habe. In der virtuellen Silbermann-Orgel der Stadtkirche St. Petri in Freiberg von Sonus Paradisi habe ich das ideale Instrument dafür gefunden.
Meine Registrierungen:
Intrada:
Hauptwerk: Octav Principal 8′ Octava 4′ Qvinta 3′ Octava 2′ Mixtur IV Koppel OW/HW
Oberwerk: Principal 8′ Octava 4′ Octava 2′ Qvinta 1 1⁄2′ Sufflöt 1′ Mixtur III
Pedal: Principal Bass 16′ Octaven Bass 8′ Bassventil (Koppel HW/P)
Fughette:
Oberwerk: + Qvintadena 16′
Intrada (Reprise):
Hauptwerk: + Principal 16′ + Tertia 1 3⁄5′ + Cornet IV + Cymbel III
Oberwerk: - Qvintadena 16′ + Sechst Qvint altra 4⁄5′ (ab c1 1 3⁄5′)
Pedal: + Possaune 16′
Wer keine Slideshows mag, kann hier das reine mp3 hören.
Zitat von Bartpfeife im Beitrag #265 Genau, er hat das Pedal in den kleineren Orgeln mit eigenen Ventilen in der Hauptmanualwindlade versehen, so dass das Pedal immer auch die entsprechenden Töne auf dem Hauptwerk betätigt, egal was dort registriert sein mag. Erst später wurde in den meisten Orgeln diese ständige Koppel I/P abstellbar gemacht. (In Freiberg, Petrikirche, hat Silbermann allerdings die Pedalventile der Hauptwerkslade in einen eigenen, hinteren Windkasten gesetzt und die Windzufuhr zu diesem Windkasten absperrbar gemacht mit dem sogenannten "Bassventil", das die Koppel I/P abstellt.) Weil das Pedal normalerweise immer zusammen mit dem Hauptwerk erklang, brauchte es lediglich 16'-Register, um die Tonlage dem Pedal entsprechend zu machen, und eventuell eine 8'-Trompete für den Cantus firmus im Pedal.
Verstehe, dann ist das "Bassventil" im Sampleset von Sonus Paradisi eigentlich "verkehrt" programmiert, denn wenn man es aktiviert, ist die Koppel aktiv.
Nein, Sperrventile müssen in Deutschland traditionell vor dem Spiel gezogen werden, damit Wind kommt. Das wird sicherlich beim Bassventil genauso sein: Ist der Bassventilzug herausgezogen, ist also die Pedalkoppel vorhanden, ist er abgestoßen, ist die Koppel weg.
Mein Präludium (das auf dem Choral "Christus, der ist mein Leben" BWV 282 basiert) mit Fughette und Choral für den feierlichen Einzug zum Abendmahlgottesdienst am Gründonnerstag, wie ich es heute auch in der Kirche gespielt habe, neu aufgenommen mit dem Klang der prächtigen Silbermann-Orgel der Stadtkirche St. Petri in Freiberg, erstellt mit dem Sampleset von Sonus Paradisi:
Meine Registrierung:
Präludium:
Hauptwerk: Principal 16′ Octav Principal 8′ Octava 4′ Qvinta 3′ Octava 2′ Mixtur IV Cymbel III Koppel OW/HW
Oberwerk: Principal 8′ Octava 4′ Octava 2′ Qvinta 1 1⁄2′ Mixtur III
Pedal: Principal Bass 16′ Octaven Bass 8′ Bassventil (Koppel HW/P)
Fughette:
Pedal: + Possaune 16′
Choral:
Hauptwerk: Octav Principal 8′ Octava 4′
Pedal: Principal Bass 16′ Octaven Bass 8′ Bassventil (Koppel HW/P)
Wer keine Slideshows mag, kann hier das reine mp3 hören.
Zum (hinkenden) Vergleich meine 4 Jahre alte Aufnahme desselben Stückes mit dem Klang der selbst-intoniterten Gloria Concerto 234:
Erinnert ihr euch noch an meine Suche nach dem Sinn der Zungenstimme (!) Vox angelica 2´ im Hauptwerk der Meisenheimer Stumm-Orgel, die nur im unteren Manualbereich (C-h) erklingt ? Das Meisenheim-Sampleset von Pipeloops gehört zu meinen persönlichen Favoriten, aber mit diesem Register konnte ich bisher nicht wirklich was anfangen. Lange habe ich nach einem Stück gesucht, bei dem sich dieses ungewöhnliche Register verwenden und demonstrieren lässt, schließlich habe ich in Telemanns Choralvorspiel "O Lamm Gottes unschuldig" das ideale Stück dafür gefunden: Eigentlich ist dieses Choralvorspiel ja nur auf einem Manual zu spielen, der Cantus firmus in der Oberstimme tritt also dabei klanglich nicht hervor. Ich habe bei dieser Aufnahme den Cantus firmus im Pedal (um 2 Oktaven nach unten transponiert) mit der ans Pedal gekoppelten Vox angelica gespielt, sodass sich die Choralmelodie auch mit dem eingeschränkten Tonumfang dieses Registers korrekt spielen lässt und damit deutlich hörbar von den Begleitstimmen abhebt.
Meine Registrierung:
Unterpositiv: Gedackt 8' Flaud 4' Solicinal 2'/4'
Hauptwerk: Vox angelica 2'
Pedal: Koppel UP/P
Wer keine Slideshows mag, kann hier das reine mp3 hören.
Klingt überzeugend! Nach dem Muster kann man bestimmt noch viele Choralvorspiele arrangieren, die scheinbar manualiter auf nur einem Manual zu spielen sind - mir fällt z.B. Johann Pachelbels "Der Tag, der ist so freudenreich" ein.