Mir gefällt die Version auf der Stumm-Orgel Meisenheim um einen Tick besser, weil "österreichischer" klingend. Der böhmisch-österreichische Orgelbau des 18. Jahrhunderts kannte die Sesquialtera als möglicher Bestandteil eines Prinzipalplenums. Das Plenum mit Terzregister in Meisenheim kommt diesem Klang recht nahe - die Terz ist bei Stumm zwar im Diskant etwas weiter als z.B. die Oktave 2', aber scheint durchaus auch für die Verwendung im Plenum gedacht gewesen zu sein, nicht nur für die flötige Terz-Registrierung. Auf der Dreifaltigkeitsorgel von Riepp in Ottobeuren dagegen ziehst Du das Cornet zum Plenum (mit nur einer Mixtur). Das war von Riepp überhaupt nicht so geplant (es gibt 4 Registrierungsanweisungen von Riepp für Salem, jeweils mit Plenumregistrierung ohne Cornet) und ich bin mir auch nicht sicher, ob es in Realität ohne Verstimmungen des Cornet funktionieren würde. Jedenfalls ist der resultierende Klang alles andere als "österreichisch", da als Plenum viel zu mild gegenüber österreichischen Orgeln des 18. Jh. und im Diskant zu stark dominiert vom Cornet, das österreichische Orgeln dieser Zeit als Manualregister gar nicht kannten, sondern nur als Pedalregister mit völlig anderer Funktion und anderem Klang. Aber natürlich kann man Albrechtsberger auch anders registrieren als es auf österreichischen Orgeln seiner Zeit möglich war. Ob man das will oder nicht, ist eine reine Geschmacksfrage, über die zu streiten sich kaum lohnt.
Danke für deinen fundierten Kommentar ! Das "Problem" bei meinen Registrierungen ist, dass ich ein ausgesprochener Fan milder, runder, fülliger Plenumklänge bin, aus Kindheitszeiten geprägt von der damaligen (1983 durch eine neue Walcker-Orgel ausgetauschten) Kauffmann-Orgel der Pfarrkirche St. Othmar in Mödling. Deshalb mag ich auch die Stumm-Orgel von Meisenheim und die beiden Riepp-Orgeln von Ottobeuren so sehr. Letztere können aber auch brilliant bis scharf klingen, wenn man die HW-Cimbal und die Positiv-Fornit dazuzieht, was mir persönlich aber für Albrechtsberger-Präludien schon zu scharf ist. Schade nur, dass es noch von keiner Kauffmann-Orgel ein Sampleset gibt ! Wäre das nicht eine Idee für die Zukunft ? Da gibt es doch in Österreich noch einige gut erhaltene Exemplare.
Zitat von Romanus im Beitrag #402Schade nur, dass es noch von keiner Kauffmann-Orgel ein Sampleset gibt ! Wäre das nicht eine Idee für die Zukunft ? Da gibt es doch in Österreich noch einige gut erhaltene Exemplare.
Jede Sampling-Firma stellt sich natürlich zuerst die Frage, ob es für das Sampling-Set einer bestimmten Orgel ausreichend Interessenten geben wird. Das ist dann der Fall, wenn sich eine Orgel für eine bestimmte, viel gespielte Orgelmusik besonders eignet: Eine Cavaillé-Coll-Orgel eignet sich immer prima für französische Orgelmusik des 19. und frühen 20. Jh., eine Schnitger-Orgel ist immer gut für Musik des norddeutschen Barocks, eine Riepp-Orgel passt hervorragend für süddeutsche und französische Orgelmusik des Barock usw. Wofür eignet sich eine Kauffmann-Orgel aus dem frühen 20. Jahrhundert? Wird diese Musik oft gespielt? Mir fällt da nicht viel ein außer den romantischen Stücklein für die Lehrer-Organisten des 19. Jh., die heute kaum noch gespielt werden. Und dann kommt noch der schlechte Ruf des Namens Kauffmann dazu, den die nicht eben gelungene Riesenorgel des Wiener Stephansdoms verursacht hat!
Ich glaube, man muss gar nicht eine bestimmte Musik besser darauf spielen können als auf jeder anderen Orgel, es würde schon reichen, eine klangschöne, österreichisch-spätromantische Orgel zu digitalisieren, mit der man vieles machen kann. Nichts gegen Piotr Grabowski, aber wenn ich z.b. dieses Gratis-Sampleset betrachte, mit dem ich - obwohl ich spätromantisch-pneumatische Orgeln eigentlich mag - klanglich leider nicht viel anfangen kann, dann wäre doch ein Gratis-Sampleset einer mittelgroßen Kauffmann-Orgel ein echter Hit ! Unter den Werken der romantischen Lehrer-Organisten gibt es übrigens auch einige schöne Sachen, z.b. Johannes Diebold (1842-1929): Postludium über "Großer Gott, wir loben dich".
Meine Choralbearbeitung zu "Wohl denen, die da wandeln" (GL 543), wie ich sie an diesem Wochenende auch zum Einzug in der Kirche spiele, aufgenommen mit dem Klang der prächtigen Dreifaltigkeitsorgel (1766) der Stiftsbasilika Ottobeuren (Sampleset von Organ Art Media):
Wer keine Slideshows oder kein YouTube mag, findet hier das mp3. Weitere Klangbeispiele der beiden virtuellen Riepp-Orgeln findet ihr in meiner Ottobeuren-Playlist.
Meine Choralbearbeitung zu "Sonne der Gerechtigkeit" (GL 481), wie ich sie auch am kommenden Wochenende in der Kirche zum Einzug spiele, aufgenommen mit dem Klang der prächtigen, monumentalen Hinsz-Schnitger-Freytag-Orgel (1743) der Bovenkerk in Kampen (Sampleset von Milan Digital Audio):
Choral: Gekoppeltes Vorplenum (also Prinzipalchor und Quinten, aber keine Mixturen) auf 8´-Basis
Wer keine Slideshows oder kein YouTube mag, findet hier das mp3. Mehr Klangbeispiele dieser prächtigen, virtuellen Barockorgel findet ihr in meiner Kampen-Playlist.
Fast hätte ich´s vergessern, zum (hinkenden) Vergleich: So klang dasselbe Stück - nicht ganz so prächtig registriert - vor knapp 3 Jahren mit dem Klang der selbst-intonierten Gloria Concerto 234: