Zitat von Romanus im Beitrag #9Bei der Prüfung hieß es nur: "Entwerfen Sie eine 15-registrige Disposition für eine Orgel, auf der Sie gerne Gottesdienste spielen würden !"
Aber niemand hindert Dich, hier Deine Gedanken zu erläutern!
Musste man nur eine Disposition entwerfen oder auch begründen, warum man es so gemacht hat?
Man musste nur eine Disposition entwerfen, eine Begründung wurde nicht verlangt und die Bewertung war höchst "großzügig", ich habe damals sehr lange überlegt, was mir wichtig ist und meine Disposition hatte zuletzt zwar einen Bourdon 16´ im Hauptwerk, aber dafür keine Oktav 2´ und keine Quint, aber eine Mixtur 2 2/3´, das würde ich heute auf jeden Fall anders machen ! Trotzdem wurde meine Dispo als positiv bewertet.
Zitat von Romanus im Beitrag #9Bei der Prüfung hieß es nur: "Entwerfen Sie eine 15-registrige Disposition für eine Orgel, auf der Sie gerne Gottesdienste spielen würden !"
Aber niemand hindert Dich, hier Deine Gedanken zu erläutern!
Ich habe mir immer eine "vollklingende" Orgel - also nicht schneidend-scharf, sondern "rund" und mehr grundtönig intoniert - gewünscht. Nicht nur romantische Orgeln klingen so, es gibt auch Barockorgeln, die diesem Ideal entsprechen, z.b. die Stumm-Orgel in Meisenheim, von der es glücklicherweise ein schönes Sampleset gibt. Die Riepp-Orgeln von Ottobeuren haben sowohl milde, "vollklingende" als auch scharfe Mixturen und sind dadurch besonders vielseitig im Klang.
Bei einer Pfeifenorgel muss man sich sehr wohlüberlegt entscheiden, in welche Richtung man geht, da kann man eben nicht zwischen verschiedenen Intonationen und Samplesets umschalten.
Ich hätte noch eine andere Idee für eine 15-Register-Disposition: In der Regel stehen solche Orgel ja in kleinen Gemeinden ohne hauptamtlichen Organisten. In der Regel bedeutet das: Zungenstimmen werden selten bis gar nicht gestimmt. Also machen Zungenstimmen eigentlich keinen Sinn. Trotzdem hätten alle Organisten sie gerne! Die Lösung wäre entweder, diese labial zu imitieren mittels einem Aliquotregister bestehend aus Terz, Septime, eventuell None, oder - sehr viel besser - eine Zungenstimme zu nehmen, die sich mit den Labialstimmen je nach Temperatur in der Tonhöhe verändert. Das gibt es tatsächlich! Es handelt sich dabei um durchschlagende Zungenstimmen, bei denen die Zunge von der falschen Seite angeblasen wird und auf einen abgestimmten Resonator montiert ist. Ohne Resonator ist die Zunge nicht schwingungsfähig, nur durch die Eigenresonanz des Resonators kommt die Zunge ins Schwingen und ist daher genauso temperaturabhängig wie Labialstimmen. Diese Zungenregister wurden vor ca. 40 Jahren von Ernst Zacharias erfunden, heißen daher "Zacharias-Zungen", wurden aber bisher nur wenige Male in Orgeln realisiert (z.B. in der Rohlf-Orgel der Marktkirche Hamburg-Poppenbüttel), obwohl sie sogar recht kostengünstig herstellbar sind. Obendrein sind diese Zungen schwellbar durch Veränderung des Winddrucks. Das wiederum bedeutet, sie müssen auf einer eigenen Lade stehen, zumal sie ohnehin einen relativ hohen Winddruck brauchen, höher als normale Labialstimmen.
Die 15-Register-Disposition könnte z.B. so aussehen: I HW Bordun 16' Prinzipal 8' Rohrflöte 8' Spitzflöte 4' (relativ offen, leicht prinzipalisch) Rauschpfeife 2 2/3'+2' (dient als tiefliegende Mixtur und ergänzt über die Manualkoppel die SW-Mixtur; aber auch für Farbmischungen nutzbar)
(Das Plenum des HWs wird komplettiert durch das Plenum des Schwellwerks mittels der Koppel II/I.)
Zungenlade, ,C-g''' ohne eigenes Manual, kann an alle drei Klaviaturen gekoppelt werden (im Pedal auch mit Suboktavkoppel) Horn 8' (auf ,C also 16') Zachariaszungenstimme mit beidseitig offenen Resonatoren (in Poppenbüttel als Saxophon 8' bezeichnet)
Pedal Subbass 16' Oktavbass 8' (Zungenstimme Horn 16' und 8' durch Koppeln an die Zungenlade)
Der Haken ist, dass sie nicht klingen wie historische aufschlagende oder durchschlagende Zungenstimmen. Das war in einer Zeit, in der man die authentischen Klangfarben früherer Zeiten wiederbeleben wollte, ein Todesurteil. Glücklicherweise scheinen diese Zeiten jetzt dem Ende entgegen zu gehen. Klangbeispiele von der Orgel in Poppenbüttel kann man hier hören: https://www.walcker-stiftung.de/Blog.html#kap35