Warum schrieb ich oben "(noch ?)" ? In der Übersicht auf der Startseite fehlt das bei AVO-Gratis-Sets sonst übliche, rote Wörtchen "free". Nur ein Flüchtigkeitsfehler des Webmasters oder wird das Set vielleicht nach einer "Probezeit" noch kommerzialisiert ? Das wäre aber wohl eine ziemlich unübliche Vorgangsweise.
Ich habe schon mal in die Klangbeispiele reingehört und muss sagen: Ja, da sind durchaus überraschend hübsche Klänge drin, die ich von einer Orgel dieses Baujahres und dieser Stilrichtung so gar nicht erwartet hätte ! Die bei Orgeln aus dieser Zeit sonst übliche, schneidende Schärfe höre ich hier nicht wirklich, das Präludium BWV 543 perlt in der Interpretation von Jean-Pierre Silvestre (Nickname bei Contrebombarde: jepisi) einigermaßen angenehm, aber die Choralvorspiele aus dem Orgelbüchlein überzeugen mich jetzt nicht wirklich.
Mein Fazit: Wer eine mittelgroße 3-manualige, die klanglich als "Bach-Orgel der 60er-Jahre" durchgehen kann, gratis haben will, sollte sich das Set vielleicht holen. Wer (wie ich) bereits mit virtuellen Silbermann-, Hinsz-, Riepp-, Stumm- und Ladegast-Orgeln verwöhnt ist, braucht diese Kemper-Klänge wahrscheinlich nicht. Aber das ist natürlich wie immer Geschmacksache.
Warum schrieb ich oben "(noch ?)" ? In der Übersicht auf der Startseite fehlt das bei AVO-Gratis-Sets sonst übliche, rote Wörtchen "free". Nur ein Flüchtigkeitsfehler des Webmasters oder wird das Set vielleicht nach einer "Probezeit" noch kommerzialisiert ?
Ich denke, in diesem Fall wurde das "free" in der Übersicht wirklich einfach nur vergessen. Ich zitiere aus der Beschreibung bei AVO:
"The organ often breaks down these days and its layout does not meet today's needs, so the organ will be demolished in the near future."
Salopp gesagt könnte man das hier gesampelte Instrument als "Wegwerf-Orgel" bezeichnen. Die "Breakdowns" werden zwar beim Sampleset hoffentlich nicht passieren, aber der Nachkriegs-Orgelbauer Kemper hat heutzutage rückblickend nicht gerade den besten Ruf, von den ursprünglich ca. 1000 Kemper-Orgeln der Nachkriegszeit existieren heute nur noch ca. 100. Deshalb kann ich mir nicht gut vorstellen, dass jemand für die digitale Kopie einer solchen Orgel etwas bezahlen würde.
Aber wie heißt es so schön: "Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul."
Gerade bin ich auf dieses Video gestoßen, in dem ein mir bislang unbekanntes Sampleset einer größeren, romantischen Orgel vorgestellt wird. Ich muss ganz ehrlich sagen, dass mich die Art der Präsentation nicht besonders anspricht, weil der Präsentator ("Hubert") mehr spricht als spielt und ich seine Worte leider nicht verstehe. Außerdem sind die für mich leider unverständlichen Worte, die von einer für mein Empfinden nicht sehr angenehmen Stimme gesprochen werden, um ein vielfaches lauter als die (jeweils nur sehr kurzen) Klangproben der wirklich schönen Orgel, sodass man die Lautstärke ständig lauter und dann wieder leiser drehen muss, wenn man einserseits die Orgelklänge hören und andererseits vom Gerede nicht betäubt werden will.
Unterhalb der Disposition findet sich ein Link, der (ins Deutsche übersetzt) sagt: Preis: Kostenloser Download 😍 Spätestens jetzt steigt mein Interesse und gleichzeitig meine Sympathie für Hubert !
Aber es kommt noch besser: Bei näherer Betrachtung sind alle 3 bereits veröffentlichten Samplesets gratis und die 2 noch unveröffentlichten werden es ebenfalls sein !!!
Was sagt man dazu außer natürlich "Danke" ? Da kann man ja rein gar nichts falsch machen, wenn man sich auf diese geschenkte klangliche Entdeckungsreise begibt ! Heute komme ich wohl leider nicht mehr dazu, diese hochinteressanten, virtuellen Orgeln auszuprobieren, denn ich muss morgen am Vormittag arbeiten, aber wer weiß, vielleicht seid ihr ja schneller ? Falls ja, bin ich sehr gespannt auf eure Rezensionen.
Ich habe mir heute das in diesem Video vorgestellte Gratis-Sampleset von Hubert-organy installiert und gerade ein allererstes, kleines Klangbeispiel damit aufgenommen.
Die Zych-Orgel der Kirche St. Petrus in Wadowice ist offensichtlich für romantisch-symphonische Musik prädestiniert und steht in einer extrem halligen, modernen Kirche. Natürlich ist diese Orgel vom Klang her weniger für Bach und Albrechtsberger geeignet, sondern vor allem für französische Romantik und alles, was danach kam.
Klanglich und optisch fast noch schöner und "edler" als die oben genannte, virtuelle Zych-Orgel finde ich ihre kleinere Schwester in Nowy Sącz, die von Hubert in diesem Video vorgestellt wird. Ein Beweis mehr, dass es bei Orgeln nicht nur auf die Größe ankommt ! Ich glaube, die werde ich mir auch noch holen !
Ich habe mir vor ein paar Stunden das Sampleset Nowy Sącz-Kościół JPII von Hubert-organy installiert und konnte mich fast nicht davon losreißen ! Es klingt für meinen Geschmack unglaublich schön und unvergleichlich besser als das größere Wadowice-Set. Ich halte dieses Set für einen echten Geheimtip unter den Gratis-Samplesets, ich kann mich ehrlich gesagt nur sehr wundern, dass man so etwas Schönes geschenkt bekommt, ich finde, dagegen sehen Friesach & Co. wirklich blass aus.
Das dunkle, satte Plenum ist einfach ein Traum, ebenso die weichen, fülligen Flöten und die charaktervollen Streicher, die Zungen sind eine Wucht, ich kann dieses Sampleset wirklich empfehlen !
Natürlich besteht dieses Set auch locker den "Albrechtsberger-Test", wenngleich ich es jetzt einfallslos fände, eine vom Stil her französisch-romantische Orgel damit vorzustellen.
Einziger Nachteil: Es ist (wie anscheinend alle Hubert-Samplesets) fast zu hallig und nachdem es kein Sorround-Set ist, gibt es keine Möglichkeit, eine virtuelle Hörposition mit weniger Hall einzustellen. (Aber bei einem Gratis-Set kann man darüber nun wirklich nicht meckern.)