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Noten-Geheimtip: C. P. E. Bachs(?) Bearbeitung zu BWV 639 (Ich ruf zu dir, Herr Jesu Christ)
Habt ihr gewusst, dass es zu Bachs wahrscheinlich bekanntestem Choralvorspiel Ich ruf zu dir, Herr Jesu Christ eine ebenfalls Bach´sche Bearbeitung bzw. Weiterentwicklung zu einer Art Choralfantasie gibt ?
Die 2. Version, also die Nachbearbeitung, die auch oft dem bekanntesten Bach-Sohn Carl Philipp Emanuel (1714-1788) zugeschrieben wird, finde ich in dieser Aufnahme sehr schön, der wunderbar weiche Flötenklang der Heilig-Geist-Orgel mit Tremulant passt sehr gut zu der Bearbeitung, die in meinen Ohren eher dem "empfindsamen Rokoko" als dem Spätbarock zuzuordnen ist, insofern scheint mir C. P. E. Bachs Autorenschaft sehr plausibel.
Ich frage mich da tatsächlich, ob er seinen alten Herrn verstanden hat. Macht es das besser? Normalerweise haben die Stücke von JSB immer gut überlegte Proportionen, die hier natürlich wegfallen.
Falls die Bearbeitung tatsächlich von C.P.E. stammt, sehe ich darin nicht unbedingt die Intention, irgendetwas "besser" zu machen, was bei JSB sowieso schwierig bis unmöglich ist. Man kann es auch als eine Art Hommage an den zeitlosen Genius des Vaters auffassen.
Vielleicht habe ich das schlecht formuliert. Ich müsste mal in den alten Kursmitschriften schauen, ob ich noch finde, was Gerd Zacher dazu gesagt hat. Wenn ich das richtig in Erinnerung habe, vertrat er die These, dass da keine einzige Note zufällig steht, auch unter zahlensymbolischen Aspekten. Unter diesem Gesichtspunkt ist das Stück in der Bearbeitung zerstört.