Sich seine eigene Orgel zu bauen oder bauen zu lassen ist vermutlich der Traum jedes Organisten und wenn man dabei "aus dem vollen schöpfen" könnte, würden die meisten Wunschdispositionen mindestens der einer 2-manualigen Standard-Digitalorgel mit ca. 30 Registern entsprechen, wenn nicht gar einer 3-manualigen oder gar größeren Domorgel.
Die wahre Kunst der Disposition besteht aber nicht darin, einfach alles aufzulisten, was man an Registern irgendwann vielleicht einmal brauchen könnte, sondern mit möglichst wenig Registern einen möglichst großen Klangreichtum zu erzielen.
Deshalb lautete eine unserer Aufgaben bei der schriftlichen Teilprüfung aus Orgelbaukunde beim Kirchenmusikstudium, eine sinnvolle Disposition für eine Orgel mit nur 15 Registern zu entwerfen, auf der wir gern spielen würden. Ergänzung: Vorabzüge aus Mixturen, d.h. Register, die keine eigenen Pfeifenreihen brauchen, sind erlaubt und werden zu den 15 NICHT mitgezählt. Auch Wechselschleifen sind erlaubt, d.h. Register, die in 2 Teilwerken abwechselnd gezogen werden können, werden nur 1x gezählt.
Meine Wunschdisposition unter diesen Bedingungen würde heute so aussehen:
I. Koppelmanual (II+III)
II. Hauptwerk: Bordun 16´ Prinzipal 8´ Hohlflöte 8´ Octav 4´ Quint 2 2/3´(Vorabzug aus Mixtur) Superoktav 2´(Vorabzug aus Mixtur) Mixtur 4-fach 2 2/3´ Trompete 8´ (Wechselschleife) Tremulant
Philomela ist wohl als eine Flöte 8' gedacht? Ohne 2', ohne Manual-16', ohne Aliquoten, ohne Pedalzunge, Nebenmanual dem Hauptmanual hoffnungslos unterlegen und daher z.B. kaum triofähig - ist das nicht ein bisschen langweilig und stilistisch eingeschränkt? Ist da nicht der Umbau oder Abriss nach Deiner Zeit vorprogrammiert?
Wenn es statt der barocken Konzepte von Romanus und MAT lieber ein romantisches Konzept sein soll, dann würde ich das Instrument ähnlich disponieren wie es Aristide Cavaillé-Coll und Charles Mutin bei kleinen Instrumenten sehr erfolgreich getan haben:
I. HW Bourdon 16' Principal 8' Bourdon (= Rohrflöte) 8' Oktave 4'
Koppel II/I
II. SW Gedackt 8' Gambe 8' Voix céleste 8' ab c Flûte octaviante 4' Nasard 2 2/3' Octavin 2' Plein-jeu 3f. Basson-Hautbois 8'
Pedal Subbass 16' Principal 8' Basson 16'
I/P, II/P, Suboktavkoppel II/I, evtl. Sperrventiltritte Pedal und II zum Einschalten der "Jeux de combinaisons" (Zungen + Labialstimmen über 4') - aber das kann man auch mit Setzer lösen.
Das Hauptwerk besitzt nur seine Grundstimmen, die höheren Stimmen und die Zungenstimme entlehnt es mit der Koppel aus dem Schwellwerk. Mit dieser Disposition hat man eine breite Palette an Grundstimmenfarben, die Möglichkeit zu romantischen Grundstimmenregistrierungen, zu einer sehr effektiven Schwellwirkung, zu einem ordentlichen Tutti mit Zungenstimmen, zu Soloregistrierungen auf dem SW, Farbmischungen mit dem Nasard, und im Grundstimmenbereich sind auch Trioregistrierungen möglich.
Hm .. ja wahrscheinlich hast du recht.... Ich habe ein bisschen nach dem Motto aus 3 mach 1 jene Register herausgepickt, die mir von meinen 3 Orgeln am wichtigsten sind bzw am besten klingen... Aber im Zusammenklang fehlt dann vermutlich was...
Es gibt nichts in der Welt, das so wertvoll wäre, wie der Herzensfrieden. ~Franz v. Sales~
Ich fände wichtig zu wissen, wofür man die Orgel verwenden soll. Eine halbwegs universell taugliche Orgel für eine kleinere Kirche? Ein Chororgel mir Begleitfunktion? Eine Hausorgel?