Wie in meiner Vorstellung erwähnt, spiele ich immer wieder gerne mal auf fremden Orgeln. Immer wieder begegne ich dabei auch Gegebenheiten, die mir bisher noch nicht bekannt waren.
1) Zum einen gibt es die ganz normalen Registerwippen, wie es sie bei den meisten Digitalorgeln auch gibt.
2) Dann gibt es Register - Züge, die ganz simpel gezogen und gestoßen werden.
3) Es gibt aber auch Registerzüge (z. B. bei Kauffmann, Heilig Geist Kirche in Ma. Enzersdorf, NÖ), die hängen zusätzlich an einer Feder, d. h.: Ich ziehe das Register und muss den Zug dann nach unten etwas einhängen. Klarerweise darf ich das Register später nicht einfach wieder zurückstossen, sondern muss es erst aushängen (=leicht nach oben führen, NICHT auslassen, sondern sanft in die Ausgangsposition zurückführen. - Würde man das nicht tun, würde der Registerzug aufgrund der Feder zurückschnalzen und es bestünde die Gefahr, dass die Feder sich aushängt und das Register lahmgelegt ist! )
Für schnelle Registerwechsel ist das weniger praktisch. Dafür hat diese Kauffmännin aber ein Fußpedal fürs Plenum. https://youtu.be/scRycHV4YOI - wäre ein Beispiel dafür, das man im Netz findet.
4) Ich bin auch schon Orgeln begegnet, die statt dem "Startschlüssel" einen Registerzug "Wind" oder "Windwerk" hatten, der den Motor startete. Dieses Register ist an diesen beiden Orgeln das einzige, das an einer Feder hing, also eingehängt werden musste, alle anderen waren ganz normal zu ziehen und zu stossen.
5) Dann bin ich an einer Breinbauer einer Registriermechanik bzw. Register"schaltern" begegnet, die zwar auf den allerersten Blick wie Registerzüge aussahen, aber dann vor- bzw. zurück - "geklappt" werden mussten (Wippen waren es aber trotzdem nicht) .
6) Ja, und dann gibt's noch wunderschöne (zb. Hencke -) Orgeln mit Enterprise-Cockpit...
Welche Arten für die Betätigung der Register gibt es noch?
Spiritus boni
hat folgende Bilder an diesen Beitrag angehängt
Aufgrund eingeschränkter Benutzerrechte werden nur die Namen und (falls vorhanden) Vorschau-Grafiken der Dateianhänge angezeigt Jetzt anmelden!
Hallo ich kenne noch die Registerhebel, die man nach rechts oder nach links bewegen muss: vorrangig an italienischen Orgeln oder an Orgeln im Tessin. Diese sind auch etwas gewöhnungsbedürftig. Ich habe dies an verschiedenen Orgeln kennengelernt, z.B. in Milano, in Rivolta d`Adda oder in Bellinzona. Falls du nicht weisst, wie diese registerhebel aussehen, werde ich mal ein Bild verlinken....
Ein schönes Beispiel für Registerhebel, wie sie im frühen und mittleren 17. Jh. allgemein üblich waren, ist die Wöckherl-Orgel der Wiener Franziskanerkirche, die älteste Kirchenorgel Wiens, Bj. 1642.
Den Spieltisch in Maria Taferl empfinde ich ehrlich gesagt als groben Stilbruch, von Hencke ist eigentlich nur noch das Gehäuse erhalten, der Registerbestand der Orgel stammt großteils von Franz Capek, gehört also in die Spätromantik und dieser Spieltisch, der mich bestenfalls an moderne Böhm-Orgeln erinnert, ist für mich die sprichwörtliche "Faust auf´s Aug" !
Das so ziemlich Umständlichste, was ich bisher gesehen habe, sind die Registerplättchen von Dereux-Orgeln, aber die gehören in die andere Foren-Rubrik. |addpics|rtq-9-3736.jpg-invaddpicsinvv|/addpics|
Die wohl originellste Form von Registern, die ich je gesehen habe: Registerzüge mit menschlichen Gesichtern, gesehen bei der Arp Schnitger-Orgel in St. Jakobi, Hamburg zwischen 1950 und 1989. Diese Registerköpfe waren 1950 anlässlich der Wiederaufstellung der berühmten Arp-Schnitger-Orgel durch die Firma Kemper (nach der Auslagerung der Orgel im 2. Weltkrieg) von Emerich Kozma handgeschnitzt worden. Die Gesichter spiegelten jedoch nicht den Charakter der jeweiligen Klangfarbe wieder, sie wurden nach den Gesichtern prominenter Persönlichkeiten angefertigt. So kunstvoll sie auch sind, sie entsprachen nicht dem Originalzustand, waren also zu Bach´s Zeiten definitiv nicht vorhanden, deshalb wurden sie auch bei der letzten Restaurierung 1989-1993 durch Jürgen Ahrend wieder rückgänging gemacht. Die kunstvoll geschnitzten Registerköpfe gingen dennoch nicht verloren, der Spieltisch von 1950 ist heute im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg zu bestaunen.
Zur hochinteressanten, wechselvollen Geschichte dieser größten, erhaltenen Barockorgel (1693) im norddeutschen Raum: Die Arp Schnitger-Orgel von St. Jacobi, Hamburg|addpics|rtq-a-bd96.jpg-invaddpicsinvv,rtq-b-0867.jpg-invaddpicsinvv|/addpics|
Die Orgel in St. Jacobi ist in meinen Augen ein wirklich gelungenes Schmuckstück.
Wusstest ihr, dass es in Hamburg insgesamt mehr als 300 Orgeln gibt? Nein, nicht Digitalorgeln, sonder echte Pfeifenorgen.... Ich kenne allerdings aus eigener Anschauung und Anhörung nur die Orgeln im "Hamburger "Michel: auch alle unglaublich schön und gut klingend....